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Mittagsschläfchen ist auch gut fürs Herz

21.06.2007
„Wer die ganze Nacht schläft, hat am Tage Anspruch auf ein wenig Ruhe“, lautet augenzwinkernd ein Sprichwort aus Kuba. Doch damit allein lassen sich die Vorteile eines kurzen Mittagsschlafs nach dem Essen sicher kaum begründen. Vielmehr ist schon lange bekannt, dass eine Siesta gut für die Gesundheit ist. Studien mit Piloten der NASA zeigten beispielsweise, dass nach einer halben Stunde Mittagsschlaf die Reaktionsschnelligkeit um 16 Prozent stieg und Aufmerksamkeitsausfälle sich um 34 Prozent verringerten. Auch Forscher der Harvard Universität haben mit verschiedenen Tests nachgewiesen, dass ein Nickerchen am Tag die Leistungsfähigkeit des Gehirns deutlich verbessert.

Aber auch das Herz profitiert: Griechische Wissenschaftler haben vor kurzem in einer Beobachtungsstudie belegt, dass ein etwa 30-minütiges Nickerchen am Mittag das Risiko eines Todes durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 37 Prozent verringern kann.

Androniki Naska von der Universität Athen und Kollegen der Harvard Universität in Boston wollten mit ihrer Studie eine Erklärung für das geringere Vorkommen koronarer Herzkrankheiten in mediterranen Ländern finden. Bisher wurde dies auf die gesunde Kost mit ihrem hohen Anteil an pflanzlichen Fetten und Ballaststoffen zurückgeführt. Naska vermutete die Ursache dagegen in der Sitte, mittags Siesta zu halten. Das baue nämlich den Stress ab, in dem viele Psychologen eine mögliche Ursache der koronaren Herzkrankheit sehen.

Naska und seine Mitarbeiter werteten die Daten der griechischen Kohorte zur European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition aus (EPIC). An der Studie beteiligten sich 23.681 gesunde Probanden im Alter von 20 bis 86 Jahren, die regelmäßig zu ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten befragt wurden. Unter anderem äußerten sie sich zu der Frage, ob sie eine Siesta halten.

Das Ergebnis: Allein die Tatsache, dass die Befragten ab und zu mittags ruhen, ging mit einer Reduktion des geschätzten koronaren Sterberisikos um 34 Prozent einher. Wie stark der gesundheitliche Einfluss der Siesta ist, war abhängig von der Häufigkeit und Länge des Nickerchens: Für Personen, die nur gelegentlich ein Schläfchen einlegen, sank die koronare Sterberate nur um 12 Prozent. Wer aber wenigstens dreimal pro Woche für 30 Minuten eine Mittagsruhe einlegt, bei dem sank das koronare Sterberisiko um 37 Prozent.

Am stärksten war der positive Einfluss des Mittagsschlafs bei berufstätigen Männern; für nicht berufstätige Männer und generell für Frauen wurde nur ein nicht signifikanter Zusammenhang gefunden, was daran gelegen haben könnte, dass die Gesamtzahl der koronaren Todesfälle zu gering war, um zu sicheren Aussagen zu kommen. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass es sich nur um Beobachtungsstudien handelt, die vom wissenschaftlichen Standpunkt aus anfällig für Störfaktoren sind. Das heißt, es könnte sein, dass gleichzeitig auch andere Faktoren als der Mittagsschlaf diese positiven Ergebnisse hervorrufen.

Deshalb ist es auch unsicher, ob diese Aussagen auf Deutschland übertragbar sind, wo nur etwa fünf bis zehn Prozent ein Tages-Nickerchen halten. In anderen Ländern sieht das übrigens ganz anders aus: Vor allem in den USA, in Großbritannien, Japan und Kanada ist der so genannte „Power-Nap“ – das kurze, energiespendende Schläfchen zwischendurch – sehr beliebt.



dgk


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