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A-Z der Krankheitsbilder

Wenn die Scharniere knarzen...

15.08.2006
Die Gelenke schmerzen, sind steif und dick. Probleme mit dem Aufstehen oder Treppensteigen häufen sich. Was kann das sein? Schnell denken wir an Arthrose und Arthritis. Doch wo genau liegt der Unterschied? Dr. med. Jens-Ulrich Otto, Chefarzt an der Augsburger Arthroklinik, klärt auf.

Arthose ist in den vergangenen Jahren zur neuen Volkskrankheit geworden. Bereits jeder vierte Erwachsene ist erkrankt. Jeder Hunderste hat arthritische Beschwerden. Doch was wissen wir wirklich darüber?

Der kleine Unterschied – Arthrose ist der medizinische Fachausdruck für Gelenkverschleiß: Das Knorpelgewebe, das die beiden aufeinander treffenden Knochen voneinander trennt und einen einwandfreien Bewegungsablauf gewährleistet, ist abgenutzt. Das Gelenk hat seine Gleitfähigkeit verloren, die Knochen reiben aneinander. Starke Schmerzen sind die Folge. Auslöser sind die kleinen, abgewetzten Knorpelteilchen, die zu einer Schleimhautentzündung führen. „Arthrose ist meistens eine Alterserscheinung, die durch Fehlbelastungen, Bewegungsmangel und Übergewicht zusätzlich begünstigt wird“, sagt Dr. Otto. Eher selten ist eine vorhergehende Verletzung der Grund. Besonders häufig trifft es Frauen zu Beginn der Wechseljahre. Aber, so beobachtet das Augsburger Expertenteam, auch immer mehr jüngere Patienten zwischen 40 und 50 kommen zur Behandlung in die ArthroKlinik.

Arthritis hingegen beschreibt eine Gelenksentzündung, die entweder durch eine Infektion entsteht (z.B. bei Verletzungen) oder aufgrund einer fortgeschrittenen Arthrose. Eine spezielle Form stellt die rheumatoide Arthritis dar, im Fachjargon auch chronische Polyarthritis genannt. Dabei handelt es sich um eine fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystems: Aus bislang ungeklärter Ursache greifen die menschlichen Abwehrkörper das Gelenk an. Anstelle der bisher intakten Gelenkinnenhaut (Synovialis) entsteht ein geschwultstartiges Gewebe, welches nach und nach Knorpel, Knochen ebenso wie andere Gelenksstrukturen zerstört. „Eine genetische Veranlagung als Krankheitsursache liegt sehr nahe, allerdings fehlen bislang noch bestätigende Untersuchungen“, so Dr. Otto. Männer erkranken vorwiegend in der Altersgruppe der Mitvierziger bis Mitsechziger, Frauen hingegen entweder bereits zwischen dem 25. und 35. oder erst nach dem 50.

Trotz aller Unterschiede sind die beiden Krankheiten eng miteinander verbunden. Zum einen können grundsätzlich alle Gelenke betroffen sein. Zum anderen ist die eine Krankheit oft Ursache der anderen: Wie bereits erwähnt, führen abgeriebe-ne Knorpelteilchen zu Gelenksentzündungen; eine unbehandelte Entzündung dagegen zu vermehrtem Verschleiß.

Der Verlauf – Eine Arthrose weist unabhängig vom betroffenen Gelenk und der Geschwindigkeit der Abnutzung stets das gleiche Muster auf. Zu Anfang verliert der Knorpel seine Elastizität. Einzelne Knorpelzellen sterben ab. Das immer dünner werdende Knorpelgewebe reißt ein, wodurch sich der Knochen verdichtet und verhärtet. An den Rändern der Reibungsfläche wachsen wulstartige Vorsprünge. Je weiter fortgeschritten die Arthrose ist, desto kleiner wird die Gelenksfläche. Es kommt zu Entzündungen mit starken Schmerzen.

Insgesamt unterscheidet der Fachmann zwischen fünf Arthrosephasen:
1. Qualitätsverlust des Gelenkknorpels
2. Erste Knorpelrisse und verminderte Produktion von Gelenksflüssigkeit
3. Verdickung und Verhärtung (Osteosklerose) der bloßen Knochenköpfe
4. Zerstörung des Knochens durch fortgesetzten Abrieb.
5. Endgültige Versteifung des Knochens mit sich wiederholenden Entzündungen

Bei der chronischen rheumatoiden Arthritis entzündet sich die Innenhaut sämtlicher Gelenke, infolgedessen sie sich verdickt und vermehrt Gelenkflüssigkeit bildet. Die Folge sind akute schmerzhafte Schwellungen sowie die Überdehnung der Gelenkkapseln und –bänder. Der Infekt, ebenso wie die Wucherungen greift mit der Zeit auf die Knorpel und Knochen über. Im fortgeschrittenen Stadium führt die Erkrankung zur Deformierung bzw. Zerstörung des Gelenks.
Typisch sind: Druck- oder Bewegungsschmerzen, Schwellung und Überwärmung von Gelenken sowie ein immer länger anhaltende Morgensteifheit.

Die Therapie – „Oberste Ziele sind natürlich die Eindämmung der Entzündung, die Schmerzlinderung und der Funktionserhalt der Gelenke“, erklärt Dr. Otto. Je nach Krankheitsstadium stehen den Experten dazu verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. „In der ArthroKlinik bemühen wir uns, individuell auf jeden Betroffenen einzugehen und ihm eine persönliche Stufentherapie zusammenzustellen“, sagt der Spezialist. Das bedeutet zunächst die Feststellung des Arthrosestadiums. Zum Erhalt der Beweglichkeit beginnen die Patienten dann mit Krankengymnastik. Da der Gelenkverschleiß oft mit unangenehmen Entzündungen einhergeht, entwickeln die Ärzte der Augsburger Spezialklinik je nach Bedarf eine angepasste Schmerztherapie. „Der operative Eingriff steht immer an letzter Stelle“, so der Chefarzt. Geht es jedoch nicht anders, beginnen die Orthopäden meist erst mit einer Arthroskopie. Hier werden die Entzündungsverursacher (abgescheuerte Knorpelteilchen) endoskopisch entfernt und das Gelenk geglättet. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit über sehr kleine Schnitte einzelne Stellen im kaputten Knorpelgewebe zu ersetzen. Der komplette Austausch des Gelenks ist die ultima ratio.
Die Behandlung einer rheumatoiden Arthritis ist wesentlich schwieriger. Die Betroffenen haben meist große Schmerzen, die es in den Griff zu kriegen gilt. Es dauert häufig eine Weile bis der Rheumatologe die entsprechende Therapie konzipiert hat, denn nicht alle Menschen reagieren auf die verwendeten Medikamente gleich.
Auch hier gilt: Der Gelenkersatz erfolgt erst, wenn den Patienten nicht mehr anderweitig geholfen werden kann.

Der Gang zum Arzt – Natürlich bedeutet nicht jedes Zipperlein sofort das Schlimmste. Daher rät Dr. Otto Menschen, die häufiger Schmerzen im Bereich der Gelenke haben, zu einem kurzen Test:·
Leiden Sie öfter an Morgensteifheit und haben Sie Probleme in die Gänge zu kommen?

Hatten Sie schon einmal eine Verletzung am oder mit Beteilung des Gelenks?

Schmerzen Ihre Gelenke während der Ruhephasen?

Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Arthrose oder rheumatoider Arthritis?

„Haben Sie auch nur eine Frage mit Ja beantwortet, sollte ein Orthopäden konsultiert werden“, empfiehlt Dr. Otto. Denn: Im Frühstadium lassen sich beide Krankheiten noch sehr gut behandeln.

Tipp: „Wer rastet, rostet“, mahnt der Chefarzt. Besonders für Arthrose-Patienten gilt: Auch im fortgeschrittenen Stadium ist Bewegung das A und O!



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