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Wann ist eine psychische Störung eine Posttraumatische Belastungsstörung?05.07.2007
Nach schweren Unfällen, bedrohlichen Naturkatastrophen oder Großbränden, um nur einige Beispiele zu nennen, entwickeln zehn Prozent der betroffenen Menschen eine posttraumatische Belastungsstörung – nicht zu verwechseln mit akuten, also kurz dauernden Belastungsreaktionen. Unter Folter- und Kriegsopfern, die als Migranten in unser Land kommen, finden sich viele, die schon als Kinder und Jugendliche großen Belastungen und ungünstigen Lebensbedingungen ausgesetzt waren. All diesen Ereignissen ist gemeinsam, dass sie Gefühle von intensiver Angst, Schrecken oder Hilflosigkeit auslösen. Ob sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, hängt in erheblichem Ausmaß davon ab, ob der Betroffene nach der traumatischen Exposition Umstände vorfindet, die einer raschen psychosozialen Erholung förderlich sind. Da diese Diagnose auch juristische Konsequenzen nach sich ziehen kann und da andererseits viele Hausärzte mit den exakten Diagnose-Kriterien nicht vertraut sind, erscheint es verdienstvoll, dass die neue Fortbildungszeitschrift „Psychiatrie und Psychotherapie up2date“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) eine klare Definition gibt. Unabdingbar für die Diagnosestellung sind die Symptome des Wiedererlebens, die sich den Betroffenen tagsüber in Form von Erinnerungen an das Trauma, Tagträumen oder Flashbacks, nachts in Angstträumen aufdrängen. Weitere Merkmale sind Vermeidung von Situationen, die der Belastung ähneln, teilweise oder vollständige Unfähigkeit, einige wichtige Aspekte der Belastung zu erinnern oder erhöhte psychische Übererregung mit Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und erhöhter Schreckhaftigkeit. Anthropologisch interessant ist die Überlegung, dass die Fähigkeit des Menschen, mit Stressbelastungen flexibel, konstruktiv und kreativ umzugehen, als eines unserer zentralen Charakteristika angesehen werden kann. Dies könnte zumindest teilweise erklären, weshalb sich der Homo sapiens in seiner Entwicklung so erfolgreich durchgesetzt hat. Möglicherweise ist dem Neandertaler diese Fähigkeit abgegangen. Die Symptome beginnen im Allgemeinen innerhalb von sechs Monaten nach der Belastung und können jahrelang andauern. Nach Extrembelastungen können sich auch andauernde Persönlichkeitsänderungen einstellen. Eine Reihe von Merkmalen, die schon vor dem Trauma bestanden haben, erhöhten das Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken. Neben dem weiblichen Geschlecht sind hier jüngeres Alter, unterdurchschnittliche Intelligenz und niedriger sozioökonomischer Status zu nennen. Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle. Eines beispielsweise geht davon aus, dass durch traumatische Erfahrungen bestimmte negative Überzeugungen und Sichtweisen erzeugt werden. Darüber hinaus hat man neurobiologische Veränderungen ermittelt, wie etwa fehlender oder ungenügender Anstieg des Hormons Kortisol. Kognitive Verhaltenstherapie und insbesondere Expositionstherapie haben sich zur Behandlung besonders bewährt. Als erste europäische Universität bietet die Universität Zürich ab Herbst dieses Jahres einen berufsbegleitenden Studiengang für erfahrene Psychotherapeuten an, die ihre therapeutischen Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich der Psychotraumatologie vertiefen möchten. U. Schnyder: Posttraumatische Belastungsstörungen. Psychiatrie und Psychotherapie up2date 2007; 1 (1): S. 44-57
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