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Volkskrankheit Depression - nicht ernstgenommen?04.04.2007
In Deutschland erkranken 25 Prozent der Frauen und zwölf Prozent der Männer an einer klinisch relevanten Depression. Sie stellt die häufigste Ursache für mit Behinderung gelebte Lebensjahre dar. Neben den direkten Kosten, die für die stationäre, ambulante und rehabilitative Versorgung in Deutschland pro Patient etwa 5.000 Euro jährlich betragen, verursachen Depressionen erhebliche indirekte Kosten. Die Anzahl der Krankheitstage aufgrund depressiver Störungen stieg seit dem Jahr 2000 um über 40 Prozent. Etwa 15.000 der jährlich rund 50.000 Frühberentungen durch psychische Erkrankungen erfolgen wegen Depressionen.Etwa alle 1,5 Stunden nimmt sich ein depressiver Mensch in Deutschland das Leben. So sterben in Deutschland pro Jahr fast so viele Menschen durch Depression wie durch Verkehrsunfälle. Ein Editorial in der Fachzeitschrift "Psychiatrische Praxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) weist darauf hin, dass trotz dieser Zahlen die Depression weder bei Hausärzten noch in der Bevölkerung eine angemessene Beachtung findet. Sowohl die Betroffenen als auch die Bevölkerung bezweifeln den Krankheitswert von Depressionen und haben Vorbehalte gegenüber einer Behandlung mit Psychopharmaka. Vor diesem Hintergrund wurde das "Deutsche Bündnis gegen Depression" gegründet, das neben der Kooperation und Fortbildung von Hausärzten und Multiplikatoren (Lehrer, Altenpflegekräfte, Apotheker etc.) die Aufklärung der Öffentlichkeit durch Vorträge, Plakate, Flyer, Broschüren, Kinospots und Pressearbeit betreibt. Trotz dieser umfassenden Aktivitäten ist es bislang nicht gelungen, die Meinung der Bevölkerung positiv zu beeinflussen. Insbesondere konnte die Einstellung gegenüber Antidepressiva nicht wesentlich verändert werden. Weiterhin glauben über 80 Prozent der Bevölkerung, dass Antidepressiva süchtig machen. Nach wie vor erfahren depressiv Erkrankte Stigmatisierungen infolge Ablehnung durch Andere und durch die Berichterstattung in den Medien in ähnlicher Weise wie schizophren Erkrankte. Quelle:H. Spießl: Depression – und viele schauen (noch) weg! Psychiatrische Praxis 2007; 34 (2): S. 53-54
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