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Schau mir in die Augen Kleines21.03.2007
Menschen mit Prosopagnosie sehen Gesichter zwar genauso gut wie andere - aber es gelingt ihnen nicht, sie sich einzuprägen und wiederzuerkennen. Stattdessen identifizieren sie vertraute Personen anhand anderer Merkmale, etwa der Kleidung, der Frisur oder der Stimme. Wie die neue Ausgabe von Gehirn & Geist (4/2007) berichtet, wurde die Prosopagnosie lange unterschätzt, denn das Krankheitsbild war bis vor kurzem nahezu unbekannt. Oft vermuteten Ärzte und Psychologen hinter den Symptomen stattdessen fälschlicherweise Autismus, Intelligenzminderung oder psychische Probleme. Dem Münsteraner Mediziner Thomas Grüter zufolge könnte die Störung viel verbreiteter sein als bislang angenommen. In einer Studie vom Münsteraner Institut für Humangenetik waren von 689 Schülern und Studenten 17 betroffen. Auf die Bevölkerung bezogen, entspräche dies etwa zwei Prozent. Damit säße statistisch gesehen in jeder zweiten Klasse ein Schüler mit Prosopagnosie. Grüter fordert deshalb, intensive Aufklärungsarbeit zu leisten, damit Ärzte ebenso wie Lehrer und Erzieher die Symptome nicht länger falsch interpretieren und den Kindern zu Unrecht mangelnde soziale Kompetenz unterstellen. Die genauen Ursachen für die Störung sind noch unbekannt. Möglicherweise hat die durch Hirnschädigung erworbene Prosopagnosie eine andere neuronale Grundlage als die vererbte Form. Für letztere machen Grüter und seine Mitarbeiter einen Gendefekt verantwortlich. Da Frauen wie Männer gleich häufig betroffen sind, ist kein Geschlechtschromosom, sondern eines der anderen Chromosomen, ein „Autosom“ daran beteiligt. Wenn Vater oder Mutter die Merkschwäche haben, so ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent auch das Kind betroffen – der Erbgang ist also dominant. Eine Therapie, welche die Ursachen der Merkschwäche wirksam bekämpft, gibt es bislang nicht. Einfache Maßnahmen können den Umgang mit Prosopagnosie im Alltag jedoch entscheidend erleichtern. Beispielsweise sollten Eltern ihren betroffenen Kindern schon früh beibringen, dem Gesprächspartner ins Gesicht zu schauen. In Schule und Kindergarten helfen geeignete Kennenlernspiele, sie schneller zu integrieren. Gehirn&Geist 4/2007
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