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Verlegenheit schafft Freunde29.04.2007
„Tina, was kosten die Kondome?“ ruft die Kassiererin in dem bekannten Fernsehspot lauthals durch den ganzen Laden. Das Bestreben des Kunden, den Kauf der pikanten Ware möglichst unauffällig abzuwickeln, wird damit unsanft vereitelt. Jeder von uns kennt solche peinlichen Situationen und sucht sie tunlichst zu vermeiden. Im Boden versinken möchte man dann, sich in Luft auflösen oder ganz einfach irgendwie verschwinden. Doch Verlegenheit ist nicht gleich Verlegenheit. In der Mai-Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft stellt Christine R. Harris von der Universität von Kalifornien in San Diego die verschiedenen Formen und Aufgaben des unangenehmen Gefühls dar. Demnach gibt es drei Arten der Peinlichkeit: Zum einen die, welche sich bei unabsichtlichen Benimm-Ausrutschern einstellt. Typisch ist hier der Rock, der sich beim Toiletten-Besuch hinten einklemmt und nun den Blick auf sonst Verhülltes freigibt. Die zweite Variante ist, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen, zum Beispiel als Ehrengast einer Überraschungsparty. Und schließlich gibt es noch die Verlegenheit, die durch heikle Situationen ausgelöst wird; viele finden es etwa peinlich, Freunde um die Rückgabe von geliehenem Geld zu bitten. So unangenehm diese Gefühle auch sein mögen – sie erfüllen jedoch wichtige Funktionen im täglichen Miteinander. Benimmt sich jemand daneben, macht verlegenes Erröten und zu Boden schauen den anderen deutlich, dass die Freveltat nicht absichtlich geschah und besänftigt somit. Zudem wird die Person alles daran setzen, den entstandenen Schaden zu beheben und das Verhalten sowie die negative Emotion in Zukunft zu umgehen. In Studien gaben Teilnehmer anderen Personen, die nach einem Missgeschick Verlegenheit gezeigt hatten, höhere Sympathiewerte als solchen, die das nicht getan hatten. Verlegenheit sichert also den Gruppenzusammenhalt. Für unsere frühzeitlichen Vorfahren dürfte das sogar noch wichtiger gewesen sein, konnte doch der Ausschluss aus der Gemeinschaft große Gefahr oder sogar den Tod bedeuten. Noch einmal zu dem Beispiel mit dem peinlichen Kondomkauf: Viele gehen bei dem Versuch, nicht negativ aufzufallen, viel zu weit und nehmen große Risiken für sich und andere in Kauf. Vor allem Teenager und junge Erwachsene tun sich nachweislich genau aus diesem Grund schwer, Kondome zu kaufen und zu benutzen. Doch damit nicht genug: Aus lauter Angst, sich zu blamieren, drücken sich manche vor peinlichen Arztbesuchen oder vor der Krebsvorsorge, andere trauen sich nicht, im Notfall erste Hilfe zu leisten. Sollten Sie das nächste Mal in eine solche Situation geraten, denken Sie daran: Verlegenheit macht sympathisch! Quelle: Spektrum der Wissenschaft Mai 2007
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