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Soziale Angststörungen beeinträchtigen die Lebensqualität12.09.2007
Angst ist eine weit verbreitete psychische Reaktionsweise, sei es Prüfungsangst, Angst vor dem ersten Vorstellungsgespräch oder vor dem ersten Rendezvous. Von solchen sozialen Ängsten, die in der Regel nicht als krankhaft anzusehen sind, unterscheiden sich die sozialen Phobien durch das Ausmaß der Angst, ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, eine intensive gedankliche Beschäftigung mit den eigenen Ängsten und eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität. Diese resultiert insbesondere aus dem permanenten Wunsch, angstauslösende Situationen zu meiden. Im privaten Leben kann dies zu sozialem Rückzug und Isolierung führen, im beruflichen Bereich kann der Betroffene eine Beförderung ausschlagen, weil er sich eine höhere Position mit vermehrten sozialen Anforderungen nicht zutraut. Als Kern der sozialen Phobie bezeichnet ein Aufsatz in der Zeitschrift "Psychiatrie und Psychotherapie up2date" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) die Befürchtung, dass eigenes Verhalten oder körperliche Symptome von anderen Menschen als peinlich bewertet werden. Die Ängste können sich darauf beziehen, im Kontakt mit anderen als "unfähig", "langweilig" oder "merkwürdig" zu wirken. Oder es wird befürchtet, dass Körpersymptome wie Erröten, Zittern und Schwitzen von anderen als Ausdruck der Unsicherheit oder Unfähigkeit interpretiert werden.Soziale Phobien werden häufig nicht erkannt oder ihre Schwere und Notwendigkeit zur Behandlung unterschätzt, was angesichts der Häufigkeit ihres Vorkommens ein schwerwiegendes Problem darstellt. Vier bis acht Prozent der Bevölkerung leiden an sozialer Phobie. Da sozial ängstliche Patienten ihre Störung meist als ein peinliches und unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal wahrnehmen, neigen sie häufig dazu, ihre Probleme zu verschweigen. Man kann davon ausgehen, dass eine Disposition zur Entwicklung einer sozialen Phobie auch einem genetischen Einfluss unterliegt, zu deren Manifestation jedoch Erziehungs- und Lern-prozesse sowie negative Erfahrungen in der Lebensentwicklung beitragen. In experimentellen Studien mit bildgebenden Verfahren konnte gezeigt werden, dass eine besondere Hirnregion, die Amygdala, die als Gefühlszentrum ein wichtiges Bindeglied für emotionale Konditionierung darstellt, bei Konfrontation mit sozial bedrohlichen Reizen eine stärkere Aktivierung bei Sozialphobikern als bei Kontrollpersonen zeigt. Zur Behandlung wird eine kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt, die sich in Therapiestudien als langfristig effektivste Behandlung herausgestellt hat. Darüber hinaus ist kurzfristig auch die Behandlung mit Antidepressiva (Serotoninwiederaufnahmehemmern) wirksam. Es zeigte sich eine signifikante Verringerung der Stirnhirnaktivität, wenn sie mit kognitiv-behavioraler Therapie, nicht jedoch, wenn sie pharmakologisch behandelt wurden. Derzeit wird in einer multizentrischen Studie an den Universitäten Göttingen, Jena, Dresden, Bochum und Mainz die Wirksamkeit der kognitiven Therapie und psychodynamischer Kurzzeittherapie geprüft. U. Stangier: Soziale Phobien erkennen und behandeln . Psychiatrie und Psychotherapie up2date 2007; 1 (4): S. 261-272
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