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Persönlichkeit & Psyche

Rauchfrei auf Rezept?

19.12.2006
"Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen!" Wer kennt sie nicht, die Sprüche, die seit 2003 EU-weit jede Zigarettenpackung zieren? Doch wirklich abschreckend wirken die Warnungen nur auf die Wenigsten. Dabei sprechen die Fakten für sich: 110 000 bis 140 000 Deutsche sterben Jahr für Jahr vorzeitig an den Folgen ihres Tabakskonsums – das sind 300 bis 400 Tote pro Tag! Rauchen fordert in Deutschland mehr Opfer als Aids, Alkohol, illegale Drogen Verkehrsunfälle, Morde und Selbstmorde zusammen!

Auch wenn etliche der über 3000 verschiedenen Substanzen im Tabakrauch die Gesundheit ruinieren, süchtig macht nur eine einzige: Nikotin. Es wirkt in den Belohungszentren des Gehirns, verändert hier die Struktur der Nervenzellen und löst damit die Abhängigkeit aus. Wie gegen die fatale Sucht medizinisch vorgegangen werden kann, ist in der aktuellen Ausgabe von Gehirn&Geist (1-2/2007) nachzulesen.

Ärzte bieten Qualmsüchtigen zwei grundverschiedene Methoden an: die Nikotinersatztherapie und die pharmakologische Therapie. Erstere setzt auf Präparate, mit denen der Suchtstoff ohne den schädlichen Rauch verabreicht wird. Allerdings scheinen die Präparate nicht ganz harmlos zu sein: Schließlich führt der Aufhörwillige seinem Körper weiterhin das Gift Nikotin zu, und auch die Ersatzstoffe können auf Dauer süchtig machen.

Alternativ setzen Ärzte Medikamente ein, die das Nikotinmolekül in seiner Wirkung imitieren. Und auch eine "Impfung", bei der das Immunsystem Antikörper gegen den Giftstoff produziert, erscheint bereits möglich. Doch sämtliche medizinische Maßnahmen – so zeigen die jüngsten Forschungen – bergen hohe Risiken durch Nebenwirkungen, und ohne echte Motivation, das Rauchen wirklich aufzugeben, nutzen sie nichts.

Weniger auf Medikamente, dafür mehr auf verhaltenstherapeuti­sche Gruppensitzungen setzt Alexander Diehl. Wie der Suchtmediziner vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim beschreibt, helfen die sechswöchigen Kurse, die er Aufhörwilligen anbietet, durchaus: Seit Beginn der Kurse im Januar 2006 blieben immerhin ein Drittel der ehemaligen Teilnehmer abstinent.

Doch das Problem, die Gefahren des Rauchens zu erkennen – und daraus die Konsequenzen zu ziehen – bleibt bestehen. Denn wir alle sind so veranlagt, wie Diehl betont, "dass wir Unangenehmes sehr gut verdrängen können".



Gehirn&Geist 1-2/2007


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