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Persönlichkeit & Psyche

Mythos Autismus - Leben in der eigenen Welt

15.10.2008
Viele Menschen halten Autisten für verkannte Genies. Andere halten sie schlicht für introvertierte Einzelgänger. Doch viele Ansichten über die Ausprägung dieser Krankheit sind veraltet oder schlichtweg falsch. Neue Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass Autismus viel komplexere Ursachen hat als bisher angenommen. Die neue Ausgabe von "Via medici - Fachzeitschrift und Online-Portal für junge Mediziner" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) informiert über den jüngsten Stand der Autismusforschung und erklärt, warum viele Ansichten über diese Krankheit ins Reich der Mythen gehören. Menschen mit Autismus leiden unter einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung. Ihnen fällt es schwer, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen und sinnvolle Zusammenhänge zu erkennen. Oftmals leiden die Betroffenen gleichzeitig an Epilepsie oder an einer geistigen Behinderung. Eine verkannte geniale Begabung verbirgt sich jedoch nicht hinter dieser Störung. Hier haben populäre Filme wie "Rain Man" mit Dustin Hoffman in der Vergangenheit ein falsches Bild von der Ausprägung der Krankheit erzeugt. "Solche Darstellungen führen zu überzogenen Erwartungen an Menschen mit Autismus und wecken falsche Hoffnungen bei den Angehörigen", kritisiert Professor Fritz Poustka, Direktor der Klinik für Psychiatrie des Kinder- und Jugendalters der Universität Frankfurt in der neuen Ausgabe von "Via medici".

Ein weiterer Irrglaube sei, dass Autismus durch emotionale Kälte in der Familie ausgelöst werde. Noch in den sechziger Jahren kursierte diese Theorie durch die Fachwelt. Inzwischen gehen Forscher davon aus, dass autistische Störungen vererbt werden. Kürzlich identifizierten Wissenschaftler des "Autism Genome Project" zudem ein Gen, dass bei Menschen mit Autismus fehlerhaft arbeitet. Diese Erbinformation spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau von Nervenzellkontakten und könnte daher erklären, warum sich Autisten nur schwer auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren können. Der Weg zu einer Gentherapie ist dennoch sehr weit, da viele verschiedene Erbinformationen an der Entstehung dieser Entwicklungsstörung beteiligt sind. "Selbst wenn wir alle Gene identifiziert haben, müssen wir noch ihre Funktion im Körper klären", so Professor Helmut Remschmidt, ehemaliger Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Uni Marburg. Die Symptome der Krankheit können jedoch auch heute schon durch eine Verhaltenstherapie reduziert werden. "Dabei ist es wichtig, dass autistische Kinder möglichst früh gefördert werden", betont Professor Remschmidt. Dank solcher Maßnahmen erreichen viele Autisten schon heute ein Maß an Selbstständigkeit, das früher undenkbar gewesen wäre.

Quelle:
F. Witte:
Keine Lust auf Veränderung. Autismus: Mythos und Wahrheit Via medici 2008; 13 (4): 52-55


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