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Mental fit – mit oder ohne Pillen17.09.2008
Wie die Autoren Claus Normann und Mathias Berger vom Universitätsklinikum Freiburg erklären, wird in vielen Labors nach »Neuro-Enhancern«, also Wirkstoffen für mehr mentale Leistungskraft, gefahndet. Schon heute schluckt etwa jeder zehnte US-Student Amphetamine und andere Wachmacher in heißen Prüfungsphasen. Selbst Uni-Professoren und Forscher greifen in erheblichem Umfang zu leistungssteigernden Mitteln, wie eine Umfrage des Fachjournals »Nature« ergab. Substanzen wie das Anti-Alzheimer-Mittel Donezepil verbessern die Aufmerksamkeit bei langanhaltender Belastung. Das zeigten Flugsimulatortests mit Kampfpiloten. Auch das Tuberkulosemedikament D-Cycloserin kann Menschen zu schnelleren Lernerfolgen verhelfen. Es fördert offenbar den Aufbau neuer synaptischer Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Das Antidepressivum Modafinil wiederum senkt – zumindest schon einmal bei Laborratten – das Schlafbedürfnis. Für diesen wie für viele andere Wirkstoffe fehlen zwar noch Wirksamkeitsnachweise beim Menschen. Hirndoping für Gesunde ist dennoch im Kommen – höchste Zeit, die ethischen Grenzen solcher Manipulationen abzustecken. Wie man auch ohne Pillen die mentale Fitness stärken kann, weiß der Alternsforscher Michael Falkenstein von der Universität Dortmund. Er sagt: Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche im Alter müssen nicht sein – wenn man einige goldene Regeln beachtet, bleibt das Gehirn dauerhaft leistungsfähig. Neben einer gesunden und ausgewogenen Ernährung nach mediterraner Küche zeigt zum Beispiel Kaffee eine positive Wirkung auf die grauen Zellen. Die Gesundheitsforscherin Boukje van Gelder wies 2007 nach, dass regelmäßiger Kaffeekonsum langfristig die Denkfähigkeit fördert. Auch die in Wein enthaltenen Antioxidantien halten den Geist auf Trab – doch nur wenn er in Maßen genossen wird. Für den Erhalt der mentalen Fitness wichtige Radikalenfänger finden sich auch in frischem Gemüse und Trockenfrüchten. Sie hängen laut Studien mit der geistigen Leistungsfähigkeit zusammen. So haben Alzheimerpatienten besonders wenig davon im Blut, fand ein Team um die Gerontologin Patrizia Mecocci von der Universität Perugia heraus. Außerdem wichtig: Die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren. Senioren, die regelmäßig Meeresfrüchte essen, sind geistig rüstiger als Fischverächter, zeigten Mediziner von der Rush University in Chicago (USA). Neben der richtigen Ernährung ist körperliche Bewegung angeraten – etwa im Form regelmäßiger Spaziergänge an der frischen Luft – und last not least, geistige Herausforderungen wie zum Beispiel bei Denksport- und Gedächtnisaufgaben. Denn nur wer »am Ball bleibt« hält sein Gehirn dauerhaft fit. Gehirn&Geist ist das Magazin für Psychologie und Hirnforschung aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft. Quelle: Gehirn&Geist
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