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Kein Babytalk für Senioren!25.07.2007
"Reden mit Respekt" – so überschreibt der Arzt und Medizinethiker Linus Geisler seinen Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "physiopraxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007). Darin plädiert Geisler, der bis 2005 als medizinischer Sachverständiger der Enquête-Kommission des Bundestages "Ethik und Recht der modernen Medizin" angehörte, für eine einfühlsame, fürsorgliche und vor allem respektvolle Kommunikation mit älteren Patienten. Denn gerade ältere Menschen werden von Ärzten, Pflegern und Therapeuten oft gönnerhaft und herablassend behandelt – ein nicht immer bewusstes Verhalten, das im Englischen als "patronizing" bezeichnet wird."Immer wieder kann man beobachten, dass Unterhaltungen zwischen jüngeren Pflegekräften und älteren Patienten sich nicht von Unterhaltungen zwischen Erwachsenen und zweijährigen Kindern unterscheiden", moniert Geisler. Die Verantwortung hierfür liege jedoch nicht immer nur beim Pflegepersonal, betont der Mediziner, der selbst auf dem Gebiet der Arzt-Patienten-Kommunikation forscht. Auch die Senioren selbst tragen offenbar zur Entstehung einer sekundären Babysprache bei, indem sie ihr Gesprächsverhalten – quasi im vorauseilenden Gehorsam – den vermuteten Erwartungen anpassen. Unabhängig von ihren kognitiven Fähigkeiten sprechen die Senioren dann langsamer und reduzieren ihren Wortschatz. Aus dieser sprachlichen Überanpassung könne sich ein Teufelskreis entwickeln, der letztlich zur sprachlichen Entmündigung des Patienten führe, erklärt Linus Geisler. Um so wichtiger ist es für Ärzte und Pflegende, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Als Merkmale einer patronisierenden Kommunikation, die es unbedingt zu vermeiden gilt, nennt Geisler unter anderem ein vereinfachtes Vokabular mit kindlichen Begriffen und Verkleinerungen, übertrieben familiäre Anredeformen wie „Oma“ oder „Opa“, die Beschränkung auf oberflächliche Themen, sowie das Sprechen in hoher Stimmlage und mit übertriebener Betonung. Auch Mimik und Gestik wirken sich auf die Qualität des Gesprächs aus. Negativ schlägt es etwa zu Buche, wenn der Pflegende den Patienten belächelt, sich von ihm abwendet, die Arme verschränkt oder abrupte Bewegungen macht.Das gilt natürlich auch für Angehörige. Umgekehrt trägt eine gelungene Kommunikation zum Wohlbefinden des Patienten bei und fördert den Verlauf der Therapie. "Wer den Augenkontakt mit dem Patienten sucht, ihm zulächelt, zunickt, echtes Interesse signalisiert und bereit ist, ihm zuzuhören, der hat die Chance, dankbare Patienten zu erleben", weiß Geisler. Dankbar, weil sie sich in ihren physischen, psychischen und sozialen Bedürfnissen verstanden und angenommen fühlen. L. Geisler:Das Gespräch mit dem alten Patienten - Reden mit Respekt.physiopraxis 2007; 5 (6): S. 46-48
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