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Persönlichkeit & Psyche

Im Rausch der Tüten

© TK
01.02.2010
Sie sind keine Schnäppchenjäger, denn der Preis spielt keine Rolle. Es ist die Gier, teure Textilien, Schuhe, CD´s, Bücher oder Möbel zu kaufen. Die Rede ist von rund 800.000 Kaufsüchtigen in Deutschland, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Allein die Zahl der Kaufsuchtgefährdeten wird auf vier Millionen Menschen in Deutschland geschätzt. Aus der Kauflust ist eine Krankheit geworden. Alleine kommen die Betroffenen aus dem Teufelskreislauf Bestellen, Kaufen und Verstecken nicht mehr heraus, so die Techniker Krankenkasse (TK) Niedersachsen.

Nach Angaben der TK ist Kaufsucht in Deutschland und den westlichen Industrienationen ein weit verbreitetes Phänomen. Sieben Prozent aller Erwachsenen sind kaufsuchtgefährdet. Die Tendenz zum süchtigen Kaufen hat in den letzten zehn Jahren spürbar zugenommen.
"Kaufsucht ist eine unauffällige Sucht. Sie kommt schleichend und wird immer massiver", so Ulrike Fieback, Sprecherin der TK Niedersachsen. Es ist der Drang, Dinge zu kaufen, die man nicht benötigt. Oft landen die Sachen unausgepackt in überquellenden Schränken und werden vor der Familie und Angehörigen versteckt oder sogar weggeworfen. Kaufsucht ist ein Ersatz für Anerkennung, für fehlende Liebe, ein Füllen von innerer Leere, ein Trostpflaster, ein Partnerersatz. Kaufsucht geht oft mit Depressionen und Essstörungen einher. Frauen sind stärker betroffen als Männer und was auffallend ist: Im Winter ist die Kaufsucht stärker ausgeprägt als im Sommer.

"Kaufen löst ein unglaubliches Glücksgefühl aus", so Sieglinde Zimmer-Fiene, Leiterin der seit sieben Jahren bestehenden Selbsthilfegruppe Kaufsucht und "trockene" Kaufsüchtige aus Hannover. "Meine Streicheleinheiten holte ich mir von den Verkäufern in unzähligen Kaufhäusern, Geschäften und Boutiquen. Doch die innere Leere wird nur kurz befriedigt. Dann geht die Gier wieder von vorne los und der Drang des Kaufens wird noch größer", so Zimmer-Fiene weiter. Betroffene Männer kaufen vor allem technische Artikel, Auto- und Computerzubehör. Frauen dagegen Kleidung, Schuhe, Schmuck und Kosmetik.

"In den letzten Wochen haben sich bei mir so viel Verzweifelte wie noch nie gemeldet", so Zimmer-Fiene. Den Grund sieht die Selbsthilfeleiterin darin, dass der Konsum immer aggressiver angeboten wird.
"Auch die Verkäufer werden besser geschult und in immer mehr Geschäften wird mit psychologischen Mitteln wie beispielsweise Düften gearbeitet", erklärt Zimmer-Fiene.

Die Sucht zerstört wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenzen ganzer Familien in Form von Überschuldung, Insolvenz und Abrutschen in die Kriminalität. Der psychische Zusammenbruch ist oft die Folge.

Kaufsucht, auch Oniomanie genannt (griechisch onios) ist eine psychische Störung. Sie äußert sich in zwanghaftem Kaufen. Wird der Betroffene am Kaufen gehindert, entwickelt er Entzugserscheinungen, die sich zum Beispiel in Herzrasen, Schweißausbrüchen und innerer Unruhe äußern. Die TK rät daher Betroffenen und Angehörigen, sich an eine Beratungsstelle, Selbsthilfegruppe oder einen Facharzt zu wenden. Durch eine Psychotherapie kann den Betroffenen frühzeitig geholfen werden.

Erste-Hilfe-Strategien

- Ehrlich zu sich sein. Das Problem erkennen und mit einer Vertrauensperson darüber sprechen - alle Kreditkarten zurückgeben
- nur mit Bargeld zahlen und mit einem festgesetzten Betrag in der Woche auskommen
- den kompletten Garderobenbestand und das Wohnungsinventar auflisten und die Liste immer bei sich tragen
- nicht im Internet oder in Katalogen bestellen
- Shopping-Kanäle im Fernsehen meiden
- ganz bewusst in keine "Outlet-Center" fahren

Interessierte erhalten weitere Informationen im Internet unter www.kaufsuchthilfe.



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