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Gehirn hilft, Unangenehmes zu verdrängen11.12.2007
Dass das Gehirn in der Lage ist, Erinnerungen zu verdrängen, ist offensichtlich eine zutiefst
menschliche Eigenschaft. Das ist das Ergebnis einer neuen US-Studie.Psychologen wissen es schon lange: Erinnerungen können offenbar bewusst unterdrückt oder hervorgerufen werden. Jetzt haben US-amerikanische Forscher mit Experimenten belegt, dass man mit etwas Training unangenehme Erinnerungen tatsächlich unterdrücken kann, und erstmals beschrieben, welche Hirnzentren daran beteiligt sind. Durch ein komplexes Wechselspiel zwischen einem Teil der Großhirnrinde und anderen Regionen im Gehirn sei es bei Konzentration möglich, unangenehme Eindrücke nicht abzurufen, so die Wissenschaftler. Sie betonen aber gleichzeitig, damit noch keine Methode zum einfachen Vergessen gefunden zu haben. Den Erinnerungsmechanismus überprüfte die Forschergruppe vom Institut für Psychologie der Universität von Colorado in Boulder, indem sie die Gehirnaktivität von Testpersonen während eines Experiments mittels funktionellem Magnetresonanz-Tomographen (fMRT) beobachtete. Damit wurden Veränderungen im Hirnstoffwechsel sichtbar gemacht, um diejenigen Hirnstrukturen zu identifizieren, die bei der Unterdrückung von Erinnerung beteiligt sind. Die Wissenschaftler um Brendan Depue hatten Versuchspersonen in einer Lernphase 40 Bildpaare präsentiert. Das erste zeigte jeweils ein neutrales menschliches Porträt, das zweite ein unangenehmes Motiv. Zu sehen waren unter anderem ein Unfall, ein elektrischer Stuhl, der Ort eines Verbrechens oder ein verletzter Soldat. Gehirnkarten angefertigt In der zweiten Phase des Experimentes wurde den Probanden jeweils nur das angenehme menschliche Gesicht gezeigt. Daraufhin sollten sie versuchen, sich an das zugehörige verstörende Motiv zu erinnern – oder diese Erinnerung zu unterdrücken. Dabei schauten die Forscher den Probanden mit der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie ins Hirn. Die dabei entstandenen Karten zeigten, welche Regionen des Hirns bei der jeweiligen Aufgabe aktiv war. Der sogenannte präfrontale Cortex – ein Teil der Großhirnrinde – beeinflusste dabei andere Regionen im Hirn. Davon betroffen war zunächst ein Gebiet, das mit der Verarbeitung von Sinneseindrücken beim Erinnern zusammenhängt, erläutert Depue. Ferner unterdrückte ein weiterer Teil des präfrontalen Cortex auch die Aktivität zweier weiterer Hirnregionen: Die erste von ihnen ist am Erinnern beteiligt, die zweite stützt Emotionen, die mit einer Erinnerung verbunden sind. Hilfe bei Traumata und Phobien? Die Studienergebnisse zeigten, dass die Erinnerung in einigen Fällen tatsächlich aktiv unterdrückt wurde und dieser Vorgang unter der Kontrolle der vorderen Hirnrinde steht, heißt es in der entsprechenden Veröffentlichung in der Zeitschrift „Science" (2007; 317: 215-219). Die Resultate könnten in Zukunft sogar eventuell dazu beitragen, neue Therapien für Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTB), Angstzuständen, Phobien oder Depressionen zu entwickeln. Entwicklungsgeschichtliche Ursachen? Dass das Gehirn in der Lage ist, Erinnerungen zu verdrängen, ist offensichtlich eine zutiefst menschliche Eigenschaft. Denn im Vergleich zum Menschenaffen sind die beteiligten Regionen deutlich vergrößert, sagt Depue, der dies entwicklungsgeschichtlich erklärt: Für den Steinzeitmenschen sei es möglicherweise überlebenswichtig gewesen, Gefahrensituationen, etwa den Angriff von einem wilden Tier, möglichst schnell wieder zu vergessen. Denn das Bewusstsein der Gefahr würde ihn sonst daran hindern, weiter der Jagd nachzugehen, was den Hungertod bedeutet hätte. Quellen: Brendan E. Depue, Tim Curran, Marie T. Banich, Prefrontal Regions Orchestrate Suppression of Emotiona l Memories via a Two-Phase Process, in: Science 13 July 2007: Vol. 317. no. 5835, pp. 215 – 219, DOI: 10.1126/science.1139560,www.sciencemag.org/ Emotional Memories Can Be Suppressed With Practice, New CU-Boulder Study Says July 12, 2007, www.colorado.edu/news / Studie: Menschen können Erinnerungen unterdrücken, in: http://science.orf.at/science/news/148667 Wie das Gehirn unangenehme Erinnerungen verdrängt, Deutsches Ärzteblatt, 13. Juli 2007, www.aerzteblatt.de/v4/news/ dgk
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