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Der Weg zur richtigen Entscheidung01.11.2007
Wenn Sie ein Auto kaufen und dabei alle möglichen Kriterien beachten wollen, denken Sie lieber nicht zu lange darüber nach. Das empfehlen der Psychologe Ap Dijsterhuis und seine Kollegen von der Universität Amsterdam. Ihre Experimente belegen einen paradoxen Effekt: Je komplizierter ein Problem, desto weniger nutzt langes Grübeln – das berichtet die Zeitschrift »Gehirn&Geist« in ihrer aktuellen Ausgabe (11/2007). Unbewusst verarbeiten wir offenbar viel mehr Informationen, als wenn wir unsere grauen Zellen aktiv einsetzen. Eine bewusste, rationale Urteilsfindung würde unser bewusstes Denkvermögen schlicht überfordern.Dijksterhuis und sein Team stützen sich auf verschiedene Experimente: In einem sollten die Teilnehmer das beste von vier verschiedenen Autos aussuchen. Die Probanden kannten entweder vier oder zwölf einschlägige Variablen wie Spritverbrauch, Leistung und Stauraum. Alle hatten vier Minuten Zeit, um ihre Wahl zu treffen – doch konnte nur eine Hälfte die Merkmale bewusst abwägen, die anderen Kandidaten wurde mit Knobelaufgaben abgelenkt. Resultat: Unter denjenigen, die nur vier Kriterien zu bedenken hatten, identifizierten die unabgelenkten leichter das beste Auto. Bei Berücksichtigung von zwölf Kriterien zeigte sich allerdings ein gegenteiliges Muster: Bewusstes Nachdenken führte hier zu schlechteren Entscheidungen als unbewusstes Abwägen. Bewusstes Nachdenken wirkt sich demnach zwar positiv auf einfache Entscheidungen aus, auf komplexe Urteilsprozesse jedoch nicht! Der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth plädiert daher bei schwierigen Problemen für einen Dreischritt: zunächst die Sachlage rational überdenken, den Entschluss dann aber ein wenig aufschieben und am Ende dem Gefühl folgen. Dass übermäßiges Vertrauen auf die Logik im Alltag nicht immer berechtigt ist, zeigt auch eine aktuelle Studie der Psychologin Deanna Kuhn von der Columbia University in New York. Wie sie ebenfalls in »Gehirn&Geist« berichtet, ließ sie Passanten beurteilen, welches Unterhaltungsprogramm bei einer Benefizveranstaltung den größten Erfolg haben würde – auf der Basis von fingierten Ergebnissen eines Pilot-Tests. Diesen war lediglich zu entnehmen, dass eine Auktion den Erlös einer früheren Veranstaltung steigerte, ein Komiker dagegen nicht. Die meisten Probanden aber waren überzeugt, auch eine Tombola würde den Erfolg ankurbeln, ganz im Gegensatz etwa zu Kostümierungen. Dabei lagen weder zur Tombola noch zu Kostümen irgendwelche Informationen vor, die diesen Schluss gerechtfertigt hätten! Kuhn folgert, dass die meisten Teilnehmer schon einmal ähnliche Veranstaltungen besucht und Hypothesen darüber im Kopf hätten, welche Programmpunkte gut ankommen. Wir urteilen also auf der Grundlage von Vorannahmen. Wenn jemand ein logisches Problem lösen will, tut er folglich gut daran, sein Wissen kritisch zu hinterfragen. Im Alltag begehen wir viele solcher logischen Denkfehler – und sind uns doch meist sicher, recht zu haben. Quelle: Gehirn&Geist 11/2007
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