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Persönlichkeit & Psyche

Angst vorm Arzt

17.01.2008
Der jährliche Zahnarztbesuch ist für die wenigsten Menschen ein Vergnügen. Feuchte Hände und ein flaues Gefühl in der Magengegend gehören fast schon dazu. Bei vielen Menschen wächst sich diese normale Aufregung allerdings zu einer Phobie aus, der so genannten Iatrophobie.

Laut einer Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen leiden rund zwei Millionen Deutsche unter der krankhaften Angst vor dem Arzt. Neben Zahnärzten stehen auch Psychiater, Neurologen, Chirurgen und Gynäkologen ganz oben auf der Liste der gern gemiedenen Ärzte.

„Iatrophobie hat unterschiedliche Ursachen“, erklärt DAK-Diplom-Psychologe Frank Meiners. „Einige Menschen können einfach nur kein Blut sehen oder haben panische Angst vor Spritzen. Bei anderen ist die Ursache häufig in ihrer Vergangenheit zu suchen.“ Viele Betroffene klagen über schlechte Erfahrungen mit Ärzten in ihrer Kindheit oder darüber, von den Eltern zum Arztbesuch gezwungen worden zu sein. Das Verhalten der Eltern Ärzten gegenüber spielt ebenfalls eine große Rolle. Sind sie beim Arztbesuch unsicher oder skeptisch, entstehen auch beim Nachwuchs übersteigerte Ängste.

Einmal antrainiert, bleibt die Angst auch im Erwachsenenalter erhalten. Manche Frauen geben sogar ihren Kinderwunsch auf, um nicht zum Gynäkologen gehen zu müssen. Männer stellt ein Arztbesuch dagegen in der Regel vor ein Problem der ganz anderen Art: Für sie ist das Warten in der Praxis oft so unerträglich, dass sie lieber einen großen Bogen darum machen. Häufig spielt bei Iatrophikern auch die Angst vor dem Befund eine Rolle. „Komplizierter wird es, wenn die Betroffenen unter verschiedenen Angststörungen leiden und die Furcht vor dem Arzt nur ein Teil des Problems ist“, so der DAK-Experte.

Iatrophobie wird oft jahrelang nicht erkannt, denn die meisten Betroffenen gestehen sich ihre Ängste nicht ein, sondern spielen ihre Krankheiten vor Familie und Freunden eher herunter. Manch einer geht erst dann zum Arzt, wenn die Schmerzen unerträglich werden oder zum Beispiel die Zähne schon so zerstört sind, dass eine normale Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es dann oft zu spät..

„Der erste wichtige Schritt zur Heilung besteht darin, dass der Iatrophobiker sich seine Ängste eingesteht und beginnt, offen darüber zu sprechen“, sagt Frank Meiners. Familienangehörige können den Kranken im Heilungsprozess begleiten und unterstützen. An einer professionellen Verhaltens- oder Konfrontationstherapie führt aber meist kein Weg vorbei. Diese Behandlung ist weitaus erfolgreicher als eine mit Medikamenten. Diplom-Psychologe Meiners: „Positive Ergebnisse lassen sich nur erzielen, wenn sich der Betroffene seinen Ängsten stellt, nicht wenn die Ängste medikamentös unterdrückt werden.“

Quelle: DAK


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