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Achtsam gegen den Stress11.01.2007
Ein neuer Trend erobert deutsche Therapeutenpraxen: Achtsamkeitsbasierte Verfahren integrieren fernöstliche Meditationstechniken in die psychologische und psychosomatische Behandlung. Klinische Studien bestätigen: Das hilft Patienten, Stress, Schmerzen oder Depressionen zu überwinden.Achtsamkeit bedeutet, sich voll und ganz auf den Moment zu konzentrieren und den eigenen Empfindungen nachzuspüren, ohne sie zu bewerten. Mit einiger Übung verhilft dieses geistige Versenken im Hier und Jetzt vielen Menschen zu mehr Offenheit und Akzeptanz – was sich in medizinischen Untersuchungen als wirksam erwies. Besonders Patenten mit Stress-Symptomen, chronischen Schmerzen oder Depressionen könnten davon profitieren. Das berichtet die Zeitschrift „Gehirn&Geist“ in ihrer Dezember-Ausgabe (12/2006). Der Psychologe Johannes Michalak von der Ruhr-Universität Bochum sieht das Besondere der neuen Verfahren in der Abkehr vom „notorischen Verändern-Wollen“. Ohne buddhistisch-spirituellen Überbau übe man im Achtsamkeitstraining, die eigenen Gedanken und Gefühle so hinzunehmen, wie sie sind. Dies machte sich erstmals 1979 der US-Mediziner Jon Kabat-Zinn von der University of Massachussetts zunutze, als er ein Acht-Wochen-Programm zur „Achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung“ entwickelte (Mindfulness-based Stress Reduction, kurz: MBSR). Vorher-Nacher-Tests zeigten ein gesteigertes Wohlbefinden und Linderung der Symptome etwa bei Patienten mit Schlaf- oder Angststörungen, bei psychosomatischen Beschwerden und depressiver Verstimmung. Forscher wie Michalak vermuten, dass Achtsamkeit die Fähigkeit der Betroffenen stärke, sich emotional von negativen Bewertungen zu lösen. Denn häufig machen die Belastungen des Alltags erst dadurch krank, dass wir uns ihnen nicht gewachsen fühlen: „Ich schaffe das nicht“ oder „Ich muss unbedingt etwas ändern – aber kann es nicht“ sind typische Reaktionen. Hier kann Achtsamkeit Abhilfe schaffen. Dafür sprechen auch Untersuchungen der Hirnaktivität von Meditierenden mittels bildgebender Verfahren. Demnach bewirkt Meditation eine auffällige Aktivitätszunahme im Stirnhirn, das für konzentrative Aufgaben, aber auch für die Kontrolle von Handlungen und Emotionen zuständig ist. In Kombination mit der kognitiven Gesprächstherapie setzten britischen Psychologen Achtsamkeit auch erfolgreich zur Rückfallprophylaxe bei schwer Depressiven ein. Die Übungen reduzierten vor allem den Hang zum Grübeln und bohrenden Selbstzweifeln, die häufig eine negative Gefühlsspirale in Gang setzen, so Mark Williams von der Oxford University. Die ersten viel versprechenden Ergebnisse sollen nun in weiteren Studien mit zufällig ausgewählten Patienten- und Kontrollgruppen überprüft werden. Gehirn&Geist 12/2006
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