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Gute Pflege ist machbar04.06.2007
Angesichts des demografischen Wandels und der Abnahme familiärer Betreuungsmöglichkeiten muss dringend an Lösungen für die Versorgung von Menschen mit Demenz-Erkrankungen gearbeitet werden. Experten schätzen, dass sich die Zahl der Demenz-kranken bis zum Jahr 2030 auf zwei Millionen verdoppeln wird. Obwohl schon heute neue Pflegekonzepte und moderne Medikamente helfen könnten, die Lebensqualität der Patienten so lange wie möglich zu erhalten, wird in der Praxis nur ein Bruchteil der Betroffenen optimal behandelt.Nach und nach erst das Kurz- und dann das Langzeitgedächtnis zu verlieren, ist für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Belastung. Denn der Verlust der geistigen Fähigkeiten macht – im Gegensatz zu körperlichen Behinderungen – bereits im mittleren Stadium eine umfassende Betreuung und Beaufsichtigung notwendig. „Die Versorgung und Pflege dementer Patienten stellt die Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Werden derzeit noch rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen in der Familie gepflegt, so wird dies aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft nicht mehr möglich sein“, warnt Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga. In den nächsten Jahren müssen daher verstärkt Betreuungsmöglichkeiten aufgebaut werden, die auf die speziellen Bedürfnisse dementer Menschen eingehen. Positive Beispiele aus der Praxis zeigen bereits heute, dass eine gute Pflege machbar ist. Vorbildliche Pflegekonzepte Eine zukunftsweisende Einrichtung für die Versorgung und Betreuung von Alzheimer-Patienten hat die Ingenium-Stiftung in Ingolstadt konzipiert und errichtet: Das Tages- und Wohnpflegeheim sowie die weiteren Angebote im Zentrum sind ausschließlich auf Menschen mit einer Demenzerkrankung zugeschnitten. Den Schwerpunkt im stationären Bereich bilden die besondere architektonische Gestaltung, die ein alltagsnahes Zusammenleben in kleinen, familienähnlichen Gruppen ermöglicht sowie die Hausgemeinschaft mit gemeinsamen Mahlzeiten und Aktivitäten. Das Gemeinschaftsprinzip beinhaltet, dass in der Regel alle Bewohner – auch schwer pflegebedürftige Patienten - an den Aktivitäten im Haus teilnehmen können. Umgang und Pflege orientieren sich dabei an den erhaltenen Fähigkeiten der Bewohner, nicht an deren Defiziten. Das Konzept berücksichtigt auch den enormen Bewegungsdrang vieler Demenzkranker und lässt eine scheinbar unein-geschränkte Bewegungsfreiheit innerhalb des Hauses zu. Dr. Teschauer, wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des Zentrums Ingenium Stiftung: „Neben individuellen Pflegekonzepten in der Tagespflege und den stationären Bereichen, versuchen wir mit Forschungsprojekten und Wissenstransfer für eine bessere Versorgung der Demenzkranken zu kämpfen. Aber auch Angehörige und Pflegende unterstützen wir mit Aus- und Fortbildungs- sowie Beratungs- und Gesprächsangeboten. Diese erfolgreiche Arbeit der Stiftung für Demenz-Betroffene trägt sich nicht von selbst: Um unsere Ziele zu erreichen, benötigen wir gesellschaftliche, vor allem aber auch weiterhin finanzielle Unterstützung durch Spenden, Zustiftungen oder Nachlässe.“* Patienten nicht einfach ruhig stellen Auch wenn die Anforderungen an die Qualität der Pflege in den letzten Jahren erfreulicherweise gestiegen sind, weist die medizinische Versorgung der Demenzkranken nach wie vor erhebliche Defizite auf. „Demenzkranke werden in Heimen immer noch überwiegend mit Psychopharmaka behandelt. Diese Ruhigstellung der Patienten entspricht aber in keiner Weise einer angemessenen Therapie“, kritisiert Erhard Hackler. Schließlich gibt es heute mit den so genannten Antidementiva effektive Medikamente, die helfen, die Symptome der Alzheimer-Demenz über eine gewisse Zeit stabil zu halten oder zu bessern. Sie erleichtern nicht nur die Pflege, sondern ermöglichen den Patienten, länger aktiv am Leben teilzuhaben. Antidementiva zeigen dabei umso mehr Wirkung, je früher mit der Behandlung begonnen wird. Aber auch bei Patienten, die sich zum Zeitpunkt der Diagnose bereits in einem fortgeschrittenen oder schweren Stadium der Erkrankung befinden, kann der geistige Verfall gebremst werden. Durch frühe Diagnose Zeit und Lebensqualität gewinnen Oft werden Hirnleistungsstörungen erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt, weil die Symptome nun deutlicher – und damit für jeden unübersehbar – werden. Mit der Broschüre „Alzheimer erkennen“ möchte die Deutsche Seniorenliga helfen, Warnsymptome einer Alzheimer-Erkrankung richtig zu deuten und bei Verdacht auf Alzheimer frühzeitig entsprechende Schritte einzuleiten. Die kostenlose Broschüre ist erhältlich bei der Deutschen Seniorenliga e.V., Gotenstraße 164 in 53175 Bonn oder unter www.dsl-alzheimer.de.
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