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Gleiche Wirkung, halber Preis17.07.2008
Viele Patienten erleben derzeit beim Hausarzt eine Überraschung: Nachdem sie jahrelang ein bestimmtes Medikament bekommen haben, verschreibt der Mediziner nun ein so genanntes Generikum – das heißt ein anderes Präparat, aber mit derselben Wirkung. Vorteil: Das Mittel ist viel günstiger. Aber ist es auch genauso zuverlässig wie das alte? Wie steht es mit Risiken und Nebenwirkungen? Laut einem DAK-Gesundheitsbarometer würden mehr als 70 Prozent ein gleichwertiges Präparat nehmen, wenn der Arzt dies vorschlägt. Die Hälfte der Befragten ist überzeugt: Die neuen Mittel sind genauso gut wie das Original. Gut 40 Prozent würden das Präparat akzeptieren, weil es günstiger ist. Nur 23 Prozent haben Zweifel und glauben, dass das ursprüngliche Medikament besser sei.Guter Zwilling – beste Qualität Tatsächlich hat der Preisunterschied nichts mit der Qualität zu tun. Vielmehr genießen neue Arzneimittel 20 Jahre Patentschutz, um die Kosten für Forschung und Entwicklung auszugleichen. Erst danach dürfen auch andere Hersteller das Mittel produzieren und günstiger verkaufen. Der enthaltene Wirkstoff ist dann schon jahrelang erprobt – und daher sicherer als solche, die neu auf den Markt kommen. Außerdem verbessern Generika-Hersteller ihre Präparate meist noch, indem sie zusätzliche Erkenntnisse nutzen, die seit der Zulassung gewonnen wurden. Das heißt: „Generika sind mindestens genauso gut und sicher wie das Original – meist sogar noch besser“, erklärt DAK-Sprecher Jörg Bodanowitz. Ärzte sind gefragt „Vielen Patienten ist gar nicht bewusst, dass sie ein Generikum einnehmen“, berichtet Bodanowitz. Gut erkennbar sind diese an der Herstellerbezeichnung – große Anbieter sind zum Beispiel Hexal, Ratiopharm, Sandoz und 1a Pharma. Darüber hinaus tragen die meisten die Bezeichnung des jeweiligen Wirkstoffs im Namen. Bekannte Beispiele sind Schmerzmittel wie etwa ASS oder Paracetamol. „Unsere Umfrage hat gezeigt, dass Patienten vor allem ihrem Arzt vertrauen, wenn es um einen Wechsel zu Generika geht“, sagt der DAK-Sprecher. „Mediziner sind hier gefragt, ihre Patienten über Nutzen und Hintergründe der Generika aufzuklären.“ Einsparungen in Millionenhöhe Der Anteil der Generika an den patentfreien Arzneimitteln hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Er liegt heute bei rund 57 Prozent. Allein 2006 wurden durch „technische Maßnahmen“, wie etwa die Wahl preisgünstigerer Arzneien, bundesweit Einsparungen in Höhe von fast 600 Millionen Euro erzielt. Allerdings stiegen gleichzeitig die Ausgaben für neue Medikamente – um annähernd die gleiche Summe. Betrachtet man zum Beispiel die Arzneimittelkosten der DAK, verursachen patentgeschützte Präparate nach wie vor die Hälfte der Kosten. Rabattverträge sorgen für niedrige Preise „Wir sind zuversichtlich, dass ein Teil der Medikamente künftig günstiger wird“, kündigt Bodanowitz an. Dazu tragen neben den Generika auch Rabattverträge bei, bei denen die Krankenkasse die Medikamentenpreise direkt mit den Herstellern verhandelt. Der Arzt verschreibt dann nicht mehr das Präparat einer bestimmten Firma, sondern nur den notwendigen Wirkstoff. In der Apotheke erhält der Patient anschließend das Mittel, für das die Kasse gute Konditionen ausgehandelt hat. Besonders große Versicherungen mit vielen Mitgliedern haben hier gute Argumente. Bewegung ins System bringen Die DAK sucht unterdessen nach weiteren Möglichkeiten, ihre Mitglieder bestmöglich zu versorgen und gleichzeitig die Kosten im Rahmen zu halten. So wurde für ein neues, besonders innovatives Osteoporose-Medikament mit dem Hersteller Novartis erstmals ein so genannter Risk-Share-Vertrag geschlossen: Obwohl das Mittel vergleichsweise teuer ist, können die Ärzte es ohne Einschränkungen verordnen. Kommt es während der Behandlung zu Komplikationen, erstattet der Hersteller die Kosten zurück. „Unsere Versicherten erhalten ein hochwirksames Präparat, gleichzeitig sichern wir die Qualität der Behandlung“, erläutert der DAK-Sprecher die Idee. „Wenn Ärzte und Kassen an einem Strang ziehen, kommt Bewegung in den Markt. Wir sind bereit, dabei auch neue Wege zu gehen.“ So erhalten Sie günstigere Medikamente: Am einfachsten ist es, wenn der Arzt den Namen des rabattfähigen Arzneimittels direkt aufschreibt. Alternativ kann er auch nur den Wirkstoff verordnen. Oder er verschreibt zwar ein bestimmtes Medikament, kreuzt aber das Kästchen „aut idem“ auf dem Rezept nicht an. Der Apotheker sucht dann selbst ein rabattfähiges Medikament heraus.
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