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Gesunde brauchen keine Pillen

09.06.2008
Immer mehr Medikamente für Gesunde versprechen einfache und schnelle Hilfe bei alltäglichen Problemen wie Übergewicht, Alterungsprozessen oder Potenzproblemen. Aber selbst scheinbar harmlose Pillen können Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen haben. Thomas Patzelt warnt deshalb davor, den Körper nicht unnötig mit chemischen Substanzen zu belasten.

Fit, schlank, gesund und glücklich – wer möchte nicht insgeheim so attraktiv sein wie die weiblichen und männlichen Models in der Werbung? Glaubt man den Werbebotschaften, ist das ganz einfach: Egal ob Haarausfall, Fettpolster, Unruhe, Überforderung oder Energiemangel – die Pharmaindustrie bietet inzwischen für fast jedes Problem die passende Pille.

„Wer nicht krank ist, braucht eigentlich keine Medikamente“, sagt Thomas Patzelt, Union Deutscher Heilpraktiker. „Trotzdem wird in unserer westlichen Gesellschaft der Alltag zunehmend pharmakologisiert, Medikamente für Gesunde sind heute ganz normal. Wer mit den täglichen Anforderungen nicht klarkommt oder abnehmen will, schluckt einfach ein paar Pillen und hofft, dass alles gut wird. Das ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Wenn man zum Beispiel Hormone einnimmt nur um besser auszusehen oder leistungsfähiger zu werden, bedeutet das einen Eingriff in das körpereigene Gleichgewicht, den man nicht unterschätzen sollte.

“Viele Medikamente sind ohne Beratung durch Arzt oder Heilpraktiker problemlos über Internetapotheken oder andere Anbieter im Internet zu bekommen. Aber alle chemischen Substanzen können unerwünschte Nebenwirkungen haben. Auch Risiken wie Allergien oder Organschädigungen sind nicht auszuschließen. Deshalb warnt Patzelt nachdrücklich davor, solche Medikamente ohne medizinisch erforderliche Indikation einzunehmen.

Ein weiteres Problem beim Bezug von Medikamenten über das Internet sind gefälschte Arzneien, die keinen oder zu wenig Wirkstoff bzw. Wirkstoffe enthalten oder vermeintliche Wundermittel gegen schwere Krankheiten, über deren Wirksamkeit keine gesicherten Untersuchungen vorliegen. Wer sich außerhalb des Sicherheitssystems der Apotheken Arzneimittel über das Internet besorgt, muss deshalb mit gefährlichen Folgen rechnen: Im schlimmsten Fall riskiert man die Gesundheit oder sogar das Leben, in harmloseren Fällen bleibt die erhoffte Wirkung aus.

Auch mit ärztlich verordneten Medikamenten gehen Patienten häufig leichtfertig um. Besonders Schmerz-, Beruhigungs-, Schlaf- und Abführmittel werden oft zu lange und über die ärztliche Verordnung hinaus in zu hoher Dosierung eingenommen. Wenn sich der Organismus an das Medikament gewöhnt, kann eine körperliche Abhängigkeit entstehen, so dass man immer größere Mengen braucht, damit die erwünschte Wirkung eintritt. Etwa 4 - 5 % aller häufig verordneten Arzneimittel haben ein Suchtpotenzial. Rund 1,4 Millionen Menschen sind gemäß einer Studie der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) von Medikamenten abhängig.

Statt unkritisch oder aus Bequemlichkeit unnötige Medikamente einzunehmen, empfiehlt Patzelt, bei Befindlichkeitsstörungen oder leichteren Funktionsstörungen wie Schlaf- oder Verdauungsproblemen Körper und Seele ganzheitlich und mit natürlichen Methoden wieder ins Lot zu bringen. Dazu eigenen sich zum Beispiel Anwendungen der Kneipp Therapie, Akupunktur, Autogenes Training oder andere Methoden, mit denen der Heilpraktiker seine Patienten nach einem ausführlichen Beratungsgespräch behandelt. Durch diese sanften Methoden wird die Selbstorganisation des Körpers angeregt, so dass der Organismus sein natürliches Gleichgewicht wieder finden kann.

Quelle: Union Deutscher Heilpraktiker, LV BW


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