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"Gelbe Karte" für den Notarzt sichert Patientenwillen

15.05.2008
Menschen mit unheilbaren Erkrankungen sollten eine optisch auffällige "gelbe Karte" bei sich führen, die im Notfall Ärzte darüber informiert, dass sie keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr wünschen. Mediziner stellen den Göttinger Palliativkrisenbogen, der als Ergänzung und Zusammenfassung einer Patientenverfügung gedacht ist, jetzt in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) vor.

Das Problem: Immer mehr Menschen möchten die letzten Lebenstage in ihrer häuslichen Umgebung verbringen. In einer Patientenverfügung haben sie genau festgelegt, welche lebensrettenden Maßnahmen sie wünschen und welche nicht. Familie und Hausarzt sind informiert. Wenn es dann zu einem Notfall kommt, wird erfahrungsgemäß doch häufig ein Rettungswagen alarmiert, berichtet Dr. Christoph Wiese, Notfallmediziner an der Universität Göttingen. Der Notarzt kennt den Patienten in der Regel nicht, muss aber sofort entscheiden, welche Maßnahmen er durchführt. Zeit für die Suche nach einer Patientenverfügung und deren Lektüre bleibt da nicht, gibt Wiese zu bedenken. Und: Bei Zweifeln am aktuellen Patientenwillen hat der Erhalt des Lebens Vorrang, sagt der Mediziner. Es komme dann zu einer vom Patienten möglicherweise gar nicht gewollten Herz-Lungen-Wiederbelebung mit nachfolgender Einweisung ins Krankenhaus.

Der von Wiese und Mitarbeitern entworfene Göttinger Palliativkrisenbogen soll diese Eskalation verhindern. Dr. Wiese: Die "Gelbe Karte für den Rettungsdienst" ist so entworfen, dass sie dem Notarzt sofort ins Auge sticht. Er erkenne auf einen Blick, ob wiederbelebende Maßnahmen gewünscht werden. Die Karte gibt an, ob der Kranke eine Patientenverfügung verfasst oder eine Vorsorgevollmacht ausgestellt hat. Außerdem werden die wichtigsten Kontrollpersonen genannt. Eine schnelle Entscheidungsfindung in der Notfallsituation ist damit sichergestellt, sagt Dr. Wiese. Damit die Notärzte die "Gelbe Karte" auch beachten, sollte sie ein aktuelles Datum tragen. Dr. Wiese rät Menschen mit schweren unheilbaren Erkrankungen, ihre Entscheidungen alle sechs Monate zu überdenken. In der letzten Lebensphase sollte die Gelbe Karte wöchentlich, am besten mit Unterstützung des Hausarztes aktualisiert werden. Dies steigert nach Einschätzung von Dr. Wiese die Chance, dass der Notarzt die knappen Anweisungen akzeptiert und nach dem Willen des Patienten handelt.

C. Wiese et al.:
Göttinger Palliativkrisenbogen: Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung von ambulanten Palliativpatienten.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (18): S. 972-976



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