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Fachärzte unterschätzen Risiken12.12.2007
Die meisten Menschen mit hohem Blutdruck (Hypertoniker) werden in Deutschland nicht ausreichend mit Medikamenten versorgt. Sie erhalten zu wenige und häufig nicht die optimalen Mittel. Dies zeigt eine Studie des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) unter ihren Mitgliedern, die jetzt in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) erschienen ist. Auch wenn ein zu hoher Blutdruck keine Beschwerden verursacht, leistet er auf Dauer doch schweren und lebensgefährlichen Erkrankungen Vorschub wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen aber auch dem Verlust der Sehkraft. Ein zu hoher Blutdruck ist die häufigste Ursache für eine eingeschränkte Lebensqualität, Frühinvalidität und Tod, schreibt Professor Sigmund Silber, München. Dies sei allgemein bekannt und eine Behandlung des hohen Blutdrucks in der Regel möglich. Doch die Empfehlungen werden zu selten umgesetzt – selbst von Kardiologen, die eigentlich Experten für Hochdruckerkrankungen sind. In einer Online-Befragung hatte der BNK seine Mitglieder aufgefordert, an drei Stichtagen einen Fragebogen über alle Hypertoniker auszufüllen. Damit wollten Professor Silber und der BNK einen Einblick in die aktuelle Behandlungsqualität gewinnen. Das Ergebnis kann den Experten nicht zufrieden stellen: Zwei Drittel der Hypertoniker hatten höhere Blutdrücke als in den Leitlinien empfohlen. Dies war nicht Schuld der Fachärzte, da neun von zehn Patienten von den Hausärzten überwiesen worden waren und die Fachärzte sie zum ersten Mal sahen. Doch auch die Fachärzte unterschätzten den Behandlungsbedarf. Sie stuften 60 Prozent der Hypertoniker als "optimal eingestellt" ein, obwohl in Wirklichkeit nur 35 Prozent Blutdruckwerte im Normalbereich hatten. Professor Silber kritisiert auch die Wahl der Medikamente. Die Leitlinien fordern, dass Hypertoniker mit zusätzlichen Risiken wie Diabetes oder Herz- und Nierenerkrankungen mit besonders schonenden Medikamenten behandelt werden. Die Ärzte machten aber in der Praxis kaum Unterschiede. Das Risikoprofil der Patienten hatte nur "marginalen" Einfluss auf das Verordnungsverhalten, bemängelt Professor Silber. Anders war dies beim Versicherungsstatus. Privatversicherte erhielten mehr als doppelt so häufig moderne, damit aber auch teure Medikamente. Diese wurden bei den Privatpatienten häufig von Anfang an eingesetzt, Kassenpatienten erhalten sie häufig erst, wenn sie andere Mittel nicht vertragen. Dies entspricht laut Professor Silber keineswegs den Leitlinien, nach denen die neuen Medikamente unabhängig vom Versicherungsstatus bevorzugt bei Risiko-Patienten eingesetzt werden sollen. Professor Silber sieht hier Handlungsbedarf, um die Qualität der Behandlung insgesamt zu verbessern. Quelle: S. Silber et al.: Der Patient mit arterieller Hypertonie in der kardiologischen Facharztpraxis: Ergebnisse des Snapshot-Hypertonie-Registers.Ein Projekt des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK e.V.) DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (46): S. 2430-2435
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