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Wenn Ärzte nichts finden18.12.2006
Jeder vierte Erwachsene klagt über gelegentliche, manchmal auch chronische Magenbeschwerden, ohne dass der Arzt etwas findet. Jeder zehnte leidet unter einem Reizdarm mit Verstopfung oder Durchfall oder abwechselnd beidem. Auch hier bleiben alle ärztlichen Tests negativ. Dennoch nehmen die Mediziner die Leiden ihrer Patienten ernst. Kürzlich haben sie sich auf neue Leitlinien zur Diagnose geeinigt. Über diese neuen Rom-III-Kriterien informiert jetzt ein Fortbildungsartikel in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2006). Da die Magenbeschwerden sehr vielfältig sein könnten, sprechen die Mediziner nicht mehr verallgemeinernd von "funktioneller Dyspepsie", berichtet Professor Gerald Holtmann von der Universität Adelaide in Australien. "Rom-III" unterscheidet vielmehr zwei häufige Formen: Wenn die Beschwerden nach (lat. post) dem Essen (lat: Prandium) auftreten oder verstärkt werden, liegt ein postprandiales Distress Syndrom oder PDS vor. Wenn die Beschwerden in der Magengegend (lateinisch: Epigastrium) unabhängig von der Nahrungsaufnahme bestehen, liegt ein epigastrisches Schmerz (Pain)-Syndrom oder EPS vor. Wichtig für die Ärzte: PDS und EPS müssen vom Sodbrennen und von einer Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori unterschieden werden. Beide haben bekannte Ursachen und für beide gibt es wirksame Behandlungen. Auch bei funktionellen Beschwerden sind die Ärzte, auch wenn sie die Ursachen nicht kennen, nicht machtlos. Gegen Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen und Bauchschmerzen gibt es eine Reihe von Medikamenten, viele davon auf pflanzlicher Basis, wie Prof. Holtmann berichtet. Auch eine Hypnose-Behandlung kann helfen, denn immer spiele auch die Psyche eine Rolle. Nicht als Ursache, häufig aber als begleitende Störung. Denn Magen-Darm-Beschwerden schlagen bei vielen Menschen auf das Gemüt, weiß Professor Holtmann. Typisch für das Reizdarmsyndrom ist, dass sich die Beschwerden, Schmerz oder ein Unbehagen im Darm, nach dem Stuhlgang bessern. Um die Menschen nicht vorschnell für krank zu erklären oder unnötig zu behandeln, sollten die Beschwerden wenigstens 3 Tage im Monat über 3 Monate bestanden haben, fordert Professor Holtmann. Dann gebe es auch hier gute Behandlungsmöglichkeiten. Sie zielen darauf, die Darmtätigkeit zu normalisieren. Gegen Blähungen helfen beispielsweise Bakterienpräparate, welche die Darmflora normalisieren. Bei Verstopfung verordnen die Ärzte auch schon einmal milde Abführmittel. Sehr wichtig sei, dass die Ärzte den Patienten gegenüber ehrlich bleiben, so Holtmann: Die Krankheit sei im Moment leider nicht heilbar, sie sei aber auch nicht lebensgefährlich. Wenn Arzt und Patient ein vertrauensvolles Verhältnis entwickeln, könnten sie gemeinsam die Erkrankung in den Griff bekommen. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2006; 131 (45): S. 2531-2540
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