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Aus der Welt der Wissenschaft

Wach bleiben, aber wie?

07.11.2006
Wenn man nachts nicht genügend schläft, ist man am folgenden Tag müde. Das ist normal und meist ist das Problem beseitigt, wenn man in der nächsten Nacht länger schläft. Doch für immerhin fünf Prozent der Bundesbürger ist die Tagesmüdigkeit ein ständiger Begleiter, egal wie gut oder lange der Nachtschlaf war. Die Ursachen dafür können vielfältig sein und reichen vom Schichtarbeiter-Syndrom über die obstruktive Schlafapnoe bis zur Narkolepsie.

Die Folgen der Tagesschläfrigkeit sind erheblich. So hat man einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Müdigkeit und der Häufigkeit von Unfällen in industriellen Betrieben sowie im Straßenverkehr festgestellt. In den frühen Morgenstunden ereignen sich besonders viele Unfälle, weil dann die physiologische Müdigkeit am größten ist. Andere Studien mit Schichtarbeitern zeigen, dass bis zu 20 Prozent der Belegschaft während der Nachtschicht einschläft.

Beim Schichtarbeiter-Syndrom ist die innere Uhr der Betroffenen durch die wechselnden Arbeitszeiten aus dem Takt geraten. Man fühlt sich müde, wenn man wach sein sollte – und umgekehrt. Schichtarbeiter leiden trotz starker Schläfrigkeit vor allem unter Schlafstörungen.

Bei der obstruktiven Schlafapnoe ist die Tagesmüdigkeit Folge von Atemstillständen während des Schlafs. Auslöser ist eine zu sehr erschlaffte Muskulatur im Rachen, die Zunge fällt nach hinten und ver-schließt den Schlund. Diese bis zu mehrere Minuten dauernden Atemaussetzer führen zu einem Sauerstoffnotstand im Gehirn, das dann eine Alarmreaktion startet und vermehrt Stresshormone aus-schüttet. Nach einer solchen Nacht fühlt man sich morgens wie gerädert, das körperliche und geistige Leistungsvermögen ist herabgesetzt, man schläft bei jeder Gelegenheit ein. Unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden mehr als zwei Millionen Bundesbürger.

Wenn Menschen tagsüber oft von regelrechten Schlafattacken übermannt werden, gegen die sie sich überhaupt nicht wehren können, kann es sich um eine Narkolepsie handeln. Bei den Betroffenen ist die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus im Gehirn gestört. Da die Schlafanfälle sich auch beim Autofahren, bei Hausarbeiten oder bei der Bedienung von Maschinen am Arbeitsplatz ereignen können, be-steht ein hohes Unfallrisiko.

Allein schon um die Lebensqualität von Narkolepsie-Patienten zu verbessern und ihnen einen normalen Alltag zu ermöglichen, sollte bei verdächtigen Anzeichen schon frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann die Krankheit zwar nicht heilen, medikamentös lässt sich aber zumindest die exzessive Tagesschläfrigkeit heute gut in den Griff bekommen. Zum Einsatz kommt dabei meist eine Thera-pie mit dem Wirkstoff Modafinil. Diese Substanz steigert die Wachheit (Fachbegriff: Vigilanz) am Tag, ohne den Nachtschlaf negativ zu beeinflussen. Da übermäßige Schläfrigkeit auch ein typisches Symptom der obstruktiven Schlafapnoe und des Schichtarbeiter-Syndroms ist, ist der Einsatz von Modafinil auch für diese Erkrankungen eine zugelassene Behandlungsmöglichkeit. Der Wirkstoff wird dort in Kombination mit anderen therapeutischen Maßnahmen eingesetzt.



dgk


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