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Gentest auf Milchzuckerunverträglichkeit05.03.2007
Eine Unverträglichkeit auf Milchzucker (Laktoseintoleranz) können Ärzte heute bequem mit einem Gentest feststellen. Er ist nach einer Übersicht in der "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) ebenso zuverlässig wie der bisherige H2-Atem-Test, für den die Patienten mehrere Stunden beim Lungenfacharzt verbringen müssen. Für den Gentest genügt dagegen ein einfacher Rachenabstrich. Die Laktoseintoleranz ist der weltweit häufigste Enzymdefekt, berichtet Privatdozentin Birgit Terjung von der Universität Bonn. Denn das Enzym Laktase, das den Milchzucker im Darm spaltet, fehlt vielen erwachsenen Menschen. In Deutschland vertragen deshalb 15 bis 20 Prozent keine Milch oder Milchprodukte, in Asien und Afrika sind es oft 90 Prozent oder mehr. Ohne Laktase wird der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm weitergeleitet, erläutert Dr. Terjung. Dort vergären ihn die Darmbakterien. Dies führt nicht nur zu Blähungen, Bauchkrämpfen, Übelkeit und Durchfällen. Es entsteht auch Wasserstoff (H2). Er gelangt ins Blut und wird über die Lungen ausgeatmet. Ein Anstieg der H2-Konzentration in der Ausatemluft nach einem Milchzuckertrunk war bisher die zuverlässigste Methode, die Erkrankung sicher zu diagnostizieren. Für den Test mussten die Patienten nüchtern sein und über mehrere Stunden immer wieder eine Atemspende in ein Diagnosegerät abgeben. Da ist ein Gentest wesentlich eleganter. Vor einigen Jahren entdeckten Forscher, dass Menschen mit Laktoseintoleranz fast immer eine Genvariante im Laktase-Gen haben. Sie ist in allen Zellen des Körpers vorhanden. Gewöhnlich verwenden die Ärzte eine Blutprobe, aber auch ein völlig schmerzfreier Abstrich der Mundschleimhaut ist möglich. Laut Dr. Terjung erkennt der Test 92 Prozent aller Erkrankungen (Sensitivität), und 96 Prozent mit einem positiven Test haben auch wirklich eine Laktoseintoleranz (Spezifität). Auch der H2-Atemtest liefere keine besseren Ergebnisse, versichert die Expertin. Einen Wermuttropfen gibt es dennoch. Die Patienten müssen den Test selbst zahlen (Kosten etwa 120 Euro). Denn medizinisch erforderlich ist der Test in den meisten Fällen nicht. Die Beschwerden bewirken meist bereits, dass die Betroffenen sich milcharm ernähren. Dabei müssen sie jedoch auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium achten, mahnt die Ärztin: Neuere Studien zeigen, dass Menschen mit Laktoseintoleranz ein erhöhtes Risiko auf eine Osteoporose haben. B. Terjung, F. Lammert: Laktoseintoleranz: Neue Aspekte eines alten Problems, Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (6): S. 271-275
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