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Aus der Welt der Wissenschaft

Blutdrucksenker gegen Magenkrebs

14.08.2007
Magenkrebs ist weltweit der vierthäufigste bösartige Tumor des Menschen. Die Sterblichkeitsrate wird nur noch von Lungenkrebs übertroffen. Die größten Probleme der gefährlichen Erkrankung sind die späte Diagnose und das unterschiedliche Ansprechen der Patienten auf die Chemotherapie. In einem von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Forschungsprojekt überprüft ein Forschungsteam den Wert eines aus der Behandlung des Bluthochdrucks bekannten Angiotensin/Angiotensin-Rezeptor-Systems für die Patienten-individualisierte Behandlung des Magenkrebs.

"Aus früheren Studien, die vom britischen Forscher Anthony Lever durchgeführt wurden, haben wir gelernt, dass die langfristige Anwendung von Angiotensin Converting Enzym-Hemmern (ACE-Hemmern) das Überleben bei Krebspatienten verlängert", so Christoph Röcken vom Institut für Pathologie der Charite Berlin , der mit Matthias Ebert von der II. Medizinischen Klinik des Klinikums rechts der Isar in München an dem Projekt arbeitet. "Das bedeutet, dass das Rezeptorsystem des Bluthochdrucks auch in einer Weise bei Krebs eine wichtige Rolle spielt", erklärt Röcken. "Wir konnten zeigen, dass Magentumoren das aus der Behandlung des Bluthochdrucks bekannte Angiotensin/Angiotensin-Rezeptorsystem exprimieren. Genpolymorphismen des ACE-Gens und der Nachweis des Angiotensin II Rezeptors Typ 1 in Tumorzellen hängen unabhängig voneinander mit der lymphogenen Ausbreitung des Magenkarzinoms zusammen", subsumiert Röcken. "Die Ausbreitung eines Magenkarzinoms in Lymphknoten beeinflusst bedeutend die Prognose des Patienten."

Dieser Weg ist in der Medizin eher ungewöhnlich, meint der Wissenschaftler. "Wir suchen nicht nach einem neuen Medikament, sondern einen neuen Weg, dieses Medikament auch bei anderen Erkrankungen einzusetzen." Das sei ähnlich wie beim Aspirin, das einst als Schmerzmittel konzipiert wurde und heute als Vorbeugung gegen Herzinfarkte verordnet wird. "Weiterhin wird geprüft, ob Magenkarzinome bei Nachweis der Rezeptoren im Tumorgewebe mit einer gezielten Blockade des Angiotensin/Angiotensin-Rezeptor-Systems behandelt werden können", erklärt Röcken.

Grund für die hohe Sterblichkeitsziffer beim Magenkrebs ist die zumeist späte Diagnose, die dann eine Operation und eine Chemotherapie erforderlich macht. Die Tumoren der Patienten sprechen unterschiedlich auf die Chemotherapie an. "Deshalb suchen wir nach Strategien, die eine maßgeschneiderte Behandlung des Patienten ermöglichen", so Röcken. "Daher ist es wichtig, Tumor- und Patientenmerkmale zu finden, die uns zum Zeitpunkt der Diagnose eine auf den individuellen Patienten bezogene Abschätzung der Prognose erlauben und das individuelle Ansprechen auf die Chemotherapie vorhersagen lassen." Das erklärte Forschungsziel sei eine auf den einzelnen Patienten und dessen Tumor abgestimmte Therapie. "Es ist zu hoffen, dass wir einmal sogar in der Lage sein werden, Medikamente vorbeugend zu verabreichen. Das ist aber noch Zukunftsmusik", erklärt der Forscher abschließend.



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