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Blindheit besiegen: Chip wird in Netzhaut implantiert19.10.2005
In diesen Tagen startet eine weitgehend geheim gehaltene und weltweit wohl einzigartige Operation an der Augenklinik der Universität Tübingen: die Implantierung eines elektronischen Chips in die menschliche Netzhaut. Entwickelt wurde dieser Chip von der Reutlinger Firma Retina Implant AG. Mit der Operation an einem erblindeten Menschen nimmt das Unternehmen die erste Hürde zur Erreichung seines ehrgeizigen Ziels, Blinden ihr Augenlicht zurückzugeben. In erster Linie konzentrieren sich die Wissenschaftler auf Blindheitsursachen, die behandelt werden können: erbliche Retinitis Pigmentosa (RP) („Netzhautdegeneration“, Anm. d. Red.) und Altersblindheit. Bei der Operation wird ein drei mal drei Millimeter großer Mikrochip hinter der Netzhaut eingepflanzt, wo sich die Photorezeptoren aus Zäpfchen und Stäbchen befinden. Die "Kamera" im Auge soll dann durch elektrische Impulse aktiviert werden. Menschen, die das RP-Gen in sich tragen, bekommen irgendwann im Laufe ihres Lebens einen Tunnelblick. Das Sehfeld wird dabei immer kleiner und verschwindet schließlich ganz. "Hier weiß man, dass es allein ein Problem der lichtempfindlichen Zellen in der Netzhaut ist, während der Sehnerv intakt bleibt", erläutert Walter Wrobel, einer der Geschäftsführer von Retina Implant. "Das Gehirn ist weiterhin in der Lage, etwas zu sehen. Man löst die elektrische Reizung durch einen elektronischen Chip aus, der ähnlich aufgebaut ist wie ein Kamerachip." Im Unternehmen herrscht Nervosität vor, hängt doch die Zukunft der medizintechnischen Innovation im Wesentlichen vom Gelingen der ersten Versuche am Menschen ab. Bislang wurden nur Versuchsreihen an Schweinen der Universität Hohenheim gemacht, wobei sich erste Erfolge abgezeichnet haben sollen. "Natürlich erzählen einem die Schweine nicht, was sie sehen, aber wir haben deutliche Hinweise darauf bekommen, dass tatsächlich Seheindrücke angekommen sind", sagt Wrobel. Bei der Aktivierung des Chips hätten die Schweine reagiert, den Kopf und die Augen verdreht und aufgehört zu fressen. Wrobel schließt daraus, dass Signale angekommen sind. "Das gibt uns die Gewissheit, dass auch Menschen etwas sehen werden", äußert sich der Geschäftsführer zuversichtlich. Retina Implant AG
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