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Vitamine und Mineralstoffe

Umstrittene Wüstenlilie: Wirkung von Aloe Vera nicht erwiesen

22.08.2006
Diese Wüstenpflanze muss wahre Wunderdinge können: Aloe Vera steckt in Cremes und Lotionen, in Jogurt und Tee und sogar in Strumpfhosen. Und immer soll er Gesundheit und Wohlbefinden bringen. Doch diese Versprechen sind mit Vorsicht zu genießen, sagen Verbraucherschützer. Denn wenige Aloe-Vera-Produkte sind wirklich sinnvoll.

“Wissenschaftlich erwiesen ist die feuchtigkeitsbildende Wirkung der Aloe Vera. Außerdem kann das Gel vermutlich Entzündungen hemmen“, sagt Marion Breithaupt-Endres, Referentin für Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern in München. Die Wirkung von Kosmetika mit Aloe Vera hänge unter anderem davon ab, wie lange die Inhaltsstoffe der Pflanze mit der Haut in Kontakt kommen: „Duschgels oder Shampoos, die sofort wieder abgewaschen werden, bringen wahrscheinlich nur wenig.“ Ob in jeder Packung, auf der Aloe Vera steht, auch wirklich Bestandteile der Wüstenlilie enthalten sind, lässt sich nur schwer nachprüfen. Einen Anhaltspunkt bietet nach Angaben von Breithaupt-Endres das Siegel des Verbandes IASC, dessen Mitglieder sich zu nachprüfbaren Qualitätsstandards verpflichtet haben.

Am besten wirke der ganz frische Pflanzensaft. Und dafür könne man sich auch einen Blumentopf mit einer Aloe-Vera-Pflanze auf die Fensterbank stellen: „Die Pflanzen sind sehr leicht zu pflegen.“ Bei Bedarf schneide man einfach eines der dickfleischigen Blätter ab und drücke das kühlende Gel heraus.

Bei innerlicher Anwendung ist lediglich die abführende Wirkung der Rindenbestandteile von Aloe Vera nachgewiesen. Sie dürfen in Säften und Gels nicht enthalten sein. Entsprechende Abführmittel aus der Apotheke sollten laut einer Warnung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte nicht länger als zwei Wochen eingenommen werden. Der Wirkstoff sei nämlich potenziell krebserregend und erbgutschädigend.
Für Schwangere, Stillende und Personen mit entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen oder Hämorrhoiden ist er ganz tabu.

Aloe Vera enthält insgesamt rund 160 Wirkstoffe, darunter Aminosäuren, Enzyme und Mineralstoffe. Dennoch könne man guten Gewissens auf Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsprodukte verzichten, die mit Bestandteilen der Wüstenlilie versetzt sind, sagt Breithaupt-Endres: „Die Inhaltsstoffe leisten keinen nennenswerten Beitrag für eine gesunde Ernährung.“
Die Expertin steht Nahrungsergänzungsmitteln generell skeptisch gegenüber. Seinen Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Enzymen decke man am besten über eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Einige Aloe-Vera-Säfte enthalten außerdem Konservierungsstoffe, auf die manche Menschen allergisch reagieren. Gefährlich wird es, wenn Aloe Vera auch noch schwere Krankheiten wie Krebs, Rheuma oder Aids heilen soll. Vor diesen - meist sehr teuren - Präparaten warnt Marion Breithaupt-Endres ausdrücklich: „Ihre Einnahme darf keinesfalls die Therapie durch den Arzt ersetzen.“



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