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Sind Konsumenten Konsumtrottel?20.10.2005
Sarkastisch formuliert könnte man meinen, es ginge um ein Luxusproblem. Aber der teilweise erbittert geführte Streit um die Etikettierung von Lebensmitteln geht unverändert weiter. Hintergrund ist der feste Wille von EU-Verbraucherschutz-Kommissar Markos Kyprianou, die Vorschriften grundlegend zu überarbeiten. "Mein Ziel ist, dass Verbraucher auf jeder Verpackung klar und transparent erkennen können, was sie von dem Produkt erwarten können", wird Kyprianou in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Das klingt nun, als würden alle Beteiligten gut damit leben können. Strittig sind jedoch die in dem von der EU-Kommission eingebrachten Papier enthaltenen Regelungen zu "gesundheitsbezogenen Angaben", den so genannten Health Claims. Im Rahmen der diesjährigen Lebensmittelmesse ANUGA diskutierten auf einer Veranstaltung des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. erneut Experten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbraucherschutz, wie sinnvoll Werbeverbote in der Lebensmittelbranche sind. Eindeutig gegen jegliche Verbote und Beschränkungen sprach sich Holger Krahmer, Mitglied des Europäischen Parlaments aus. "Die Health Claim-Verordnung sollte eigentlich zum Ziel haben, die Ernährungsweise zu verbessern", so Krahmer. Dieses Ziel werde aber verfehlt. Produkte mit hohem Fett- und Zuckergehalt würden pauschal als schlechte Lebensmittel eingeordnet. Es gäbe aber nur eine gute oder schlechte Ernährung. Der Parlamentarier beschrieb weiter die Folgen der Verordnung: "Wir würden am Ende feststellen, dass Arbeitsplätze in der Lebensmittelindustrie und der Werbung verloren gehen und sich die Verbraucher trotzdem weiter ungesund ernähren." Noch drastischer formulierte Dr. Georg Wrouka, Geschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft, die Haltung seiner Mitstreiter zur Verordnung: "Warum wird der Verbraucher als Konsumtrottel dargestellt, wenn es um Werbung geht?" Werbung reiche schließlich nur bis zur Ladentheke. "Der Konsum von täglich drei Tafeln Schokolade resultiert nicht aus Werbebildern", so Wrouka weiter. Eine sportive Autowerbung mache ja den Konsumenten auch nicht automatisch zu Verkehrsrowdies. Man darf gespannt sein auf die Fortsetzung der Diskussion.
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