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Aus der Welt der Wissenschaft

Der 12 Sekunden-Check, der Leben retten kann!

22.11.2010
Brustschmerz, Atemnot, Beklemmungen, Schweißausbrüche – das sind einige der typischen Symptome eines Herzinfarkts. Mehr als 200.000 Deutsche erleiden jedes Jahr die gefährliche Herzmuskelerkrankung.(1) Die Gefahr: Mehr als ein Drittel der Infarkte wird verkannt, da er nur untypische Beschwerden verursacht oder sogar völlig symptomfrei verläuft. Das Risiko für einen „stummen Infarkt“ ist bei Frauen um sieben Prozent höher als bei Männern, bei Diabetikern verläuft sogar jeder zweite Infarkt ohne typische Symptome.(2) In beiden Fällen erhöht sich das Risiko für wiederholte Herzprobleme – auch das Sterblichkeitsrisiko steigt an.

Herzerkrankungen: Jedes 2. EKG ist falsch
Nur bei etwa jedem zehnten Patienten, der mit einem Verdacht auf „Akutes Koronarsyndrom“ – Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße – in eine Klinik eingeliefert wird, lässt sich ein Infarkt eindeutig mit Hilfe typischer EKG-Veränderungen (ST-Streckenhebungen = STEMI) nachweisen. Bei 30 Prozent der Infarkt-Patienten aber schlägt das EKG keinen Alarm, weil diese Abweichungen in den Herzstromkurven fehlen (med.: Non-STE-Infarkt oder NSTEMI). In fast 60 Prozent der Fälle ist eine lebensbedrohliche instabile Angina Pectoris (Herzenge) Auslöser des akuten Brustschmerzes – die ein EKG in vier von fünf Fällen nicht erkennt. Zu dieser fatalen Erkenntnis kamen unter anderem Herzspezialisten der University of California in einer Studie mit knapp 1000 Probanden.(3).Fatale Folge der „übersehenen” Herzprobleme: Fast ein Drittel der Patienten mit akuten Brustschmerzen wird nicht frühzeitig richtig behandelt und stirbt bereits vor einer Einweisung in die Klinik. (4)

Schnelle Diagnose durch CGM
Das neue nicht invasive Diagnoseverfahren Cardiogoniometrie verrät in nur 12 Sekunden, ob eine Herzschädigung vorliegt. Das CGM-Verfahren basiert auf der Vektorkardiographie. Mit Hilfe von fünf Elektroden im Brustbereich misst es die elektrischen Herzmuskelsignale im 3-D-Verfahren. In nur zwölf Sekunden erhält der Arzt über eine graphische Darstellung auf dem Computer-Monitor Hinweise, ob Veränderungen des Herzmuskelgewebes vorliegen – und kann somit einen drohenden Herzinfarkt, eine Angina Pectoris (Herzenge) oder Ischämien (Herzdurchblutungsstörungen) erkennen.

Studien belegen die Genauigkeit
Eine sechsmonatige Multicenter-Pilotstudie mit über 200 Patienten (CGM@ACS-Studie) ergab, dass die Cardiogoniometrie bei Patienten mit unklarem Brustschmerz Herzerkrankungen um rund 20 Prozent genauer anzeigt als das EKG alleine sowie um etwa 15 Prozent präziser als das EKG in Kombination mit einem speziellen Bluttest (Troponin-Test). Eine anschließende Herzkatheter-Untersuchung der Patienten zeigte: Bei zwei von drei Patienten wurde mit Hilfe der CGM-Untersuchung eine Herzschädigung diagnostiziert, die weder durch ein EKG noch durch Bluttests zuvor erkannt worden war.

Auch gegenüber dem klassischen Belastungs-EKG gilt das CGM-Verfahren in Sachen Genauigkeit laut ersten Studien als überlegen.(5) Vorgestellt wurde die aktuelle CGM@ACS-Studie im Frühjahr 2010 auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie sowie im September 2010 auf dem ESC-Kongress der European Society of Cardiology in Stockholm.

Fragen Sie Ihren Arzt!
Die CGM-Untersuchung ist derzeit noch nicht Bestandteil der Routine-Diagnostik bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) und muss deshalb von den gesetzlichen Kassen noch nicht bezahlt werden. Private Kassen zahlen meist (vorher abklären!). Das CGM-Verfahren wird aber als IGeL-Leistung in einigen Praxen und Kliniken angeboten. Die Kosten für den Patienten liegen bei rund 26 Euro.

Quellen:
(1): Koronare Herzkrankheiten und Myokardinfarkt, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 33, Robert Koch-Institut.
(2): T. M. E. Davis, P. Fortun, J. Mulder, et al.: Silent myocardial infarction and its prognosis in a community-based cohort of Type 2 diabetic patients: the Fremantle Diabetes Study. Diabetologia 2004;47(3):395-399
(3): Drew et al: Designing prehospital ECG systems for acute coronary syndromes. Journal of Electrocardiology 38 (2005) 180–185
(4): Deutsche Herzstiftung/ MONICA/CORA Herzinfarktregister Augsburg 2000
(5): Meier et al: Comparative diagnostic value of a new computerized vectorgardiographic method (cardiogeniometry) and other noninvasive tests in medically treated patients with chest pain. Clin Cardiol.1987 May;10(5):311-6


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