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Gesundheit

Mobbing in der Liebe

25.10.2007
Gleich zu Beginn seines neuen Buches „Mobbing in der Liebe“ lässt uns eine Bemerkung Wolfgang Schmidbauers aufhorchen: „Gute Beziehungen beruhen nicht darauf, besonders viel Konstruktives zu tun; sie entstehen von selbst, wenn es uns gelingt, das Destruktive zu vermeiden“. Die denkwürdige These, die landläufigen Regeln für perfekte Paarbeziehungen zu widersprechen scheint, erschließt das psychologische Werk Schritt für Schritt. Der Verfasser behandelt einen tiefenpsychologischen Konflikt, der für die Betroffenen meist insofern unlösbar ist, weil er eine Folge narzisstischer Kränkungen ist, deren Ursprünge in die Kindheit zurückreichen. Die erfolgten Traumatisierungen äußern sich in den späteren Paarbeziehungen in einem Mobbing aus (enttäuschter) Liebe. Hier führt Schmidbauer den Begriff „kannibalischer Narzissmus“ ein. Was damit genau gemeint ist, bringt eine Fabel von Aesop auf den Punkt: Ein Wanderer findet im Winter eine Schlange, die vor Kälte erstarrt dem Tode nahe ist. Er hebt sie auf und wärmt sie an seiner Brust. Kaum zu Bewegung erwacht, beißt die Schlange ihren Lebensretter: „Undankbare!“, ruft er sterbend. „Du wusstest, dass ich eine Schlange bin“, erwidert sie, die nun auch in der Kälte zugrunde gehen wird.

Mobbing entsteht, wenn die illusionäre Hoffnung schwindet, dass der Partner die eigene Unvollständigkeit kompensieren könne. Anstelle uns um ein differenziertes Bild zu bemühen, das die anfängliche Idealisierung korrigiert, beginnen wir, eine zerstörerische Wut gegen das zu richten, was wir lieben. Der Partner wird sukzessiv entwertet. Der Rosenkrieg wütet umso heftiger, je mehr sich zwei Menschen als Selbstobjekte (= das Bild des Partners, welches das eigene Selbstgefühl stabilisiert) nötig haben. Fatal ist, dass narzisstisch besetzten Vorstellungen nicht mit Vernunft beizukommen ist. Sie treten einen zerstörerischen Teufelskreis los, dem Paare kaum mehr entrinnen können.

Schmidbauers Studie verdeutlicht, dass viele Probleme, die Paare mit Kränkungsanlässen und -verarbeitungen haben, tief in der persönlichen Lebensgeschichte verwurzelt sind, wo Willensakte und gute Vorsätze bekanntlich wenig fruchten. Tatsächlich überwinden wir eigene Kränkungen nur schwer. Auf der anderen Seite fällt es uns oftmals ausgesprochen leicht, Kränkungen eines Partners zu ignorieren. Viel gewonnen ist allerdings bereits, wenn es gelingt, unser Bewusstsein für unsere Kränkungen und unser kränkendes Verhalten zu schärfen. Hier liegt das Verdienst von Schmidbauer, dessen neues Werk offen legt, wo die tiefenpsychologischen Ursachen für destruktives Verhalten und eingefleischte Rosenkrieg-Reaktionen liegen. Konkrete Fallbeispiele aus der klinischen Praxis des Verfassers veranschaulichen, wo besondere Risiken liegen, welche Paarkonstellationen besonders für die Mobbing-Falle prädestiniert sind und wie Paare mehr Sensibilität für einander entwickeln können.

Autoreninformation: Wolfgang Schmidbauer, geb. 1941, Studium der Psychologie, 1968 Promotion zum Thema „Mythos und Psychologie“, Ausbildung zum Psychoanalytiker und Gründung eines Instituts für analytische Gruppendynamik. Heute arbeitet er in eigener Praxis in München; er ist Autor zahlreicher Bücher und Kolumnist der Zeitschrift Neues Deutschland.

Autor/in: Wolfgang Schmiedbauer
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsjahr: 207
ISBN: 978-3-579-06972-2
Preis: 19,95 Euro
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