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Schönheitschirurgie

Großer Busen, großes Thema

09.03.2006
Amerika macht es uns vor: Immer mehr Frauen lassen sich die Brüste vergrößern. Aber welche Methoden gibt es eigentlich?
Dr. med. Hubert Stützle, Facharzt für Chirurgie und Plastischen Chirurgie klärt auf.

Brustvergrößerungen sind nach Fettabsaugungen in Deutschland der zweithäufigste ästhetische Eingriff. Vorgemacht wird uns das vor allem von (amerikani-schen) Schauspielerinnen, von denen etlichen erst die Brustvergrößerung den Karrierekick versetzt hat. Statt sich wie früher zurückhaltend ein B-Körbchen zu wünschen, sind heute C-Cups das Maß aller Dinge. Doch was muss ich eigentlich alles wissen, bevor auch ich mich dem geänderten Schönheitstrend anschließen möchte?

Neu im Gespräch ist hier die Eigenfettinjektion. Hier wird durch Absaugung eines anderen Körperteils gewonnenes Fettgewebe in die Brust gespritzt. Doch Vorsicht! Was sich nach Traum von der Brustvergrößerung durch eigenes, vitales Gewebe anhört, ist leider im Ergebnis nicht vorhersagbar, denn das Einwachsen des Gewebes und damit der Volumengewinn kann nicht prognostiziert werden. Durch die begrenzt einspritzbare Menge Fett sind auch mehrere OPs nötig. Daher werden fast alle Brustvergrößerungen hier zu Lande durch Einsetzen von Implantaten erzielt.
Die in den USA beliebten Kochsalzimplantate kommen als leere Hüllen in die Brust und werden erst dort befüllt. Diese Methode gewährleistet kleine OP-Schnitte auch bei großen Implantaten. Die Brust fühlt sich aber härter an, als mit Silikonimplantaten. Durch mögliche Luftbeimengung kann die Brust glu-ckern! Auch sonst sind Kochsalzimplantate ästhetisch nachteilig: weil kaum formstabil, kann die Brust leicht durchhängen. Durch ihr spürbar anderes physikalisches Verhalten schwingt die Brust nicht wie Normalgewebe und fühlt sich kälter an.
In Deutschland verwendet man in den überwiegenden Fällen daher Silikon. Dies weist heute eine höhere Kohäsivität (inneren Bindung) auf, damit es beim sehr unwahrscheinlichen Reißen der Hülle nicht mehr zu dem in den 80-er Jahren gefürchteten Auslaufen kommt. Auch die Verdachtsmomente hinsichtlich des Silikonöls als Auslöser von Krebs, Rheuma oder Immunerkrankungen haben sich nachweisbar als unbegründet herausgestellt, so dass Silikonimplantate in Deutschland der Renner unter den Implantaten sind. Besonders, weil ihr physikalisches Verhalten am ehesten dem des natürlichen Gewebes entspricht. Ein Implantatwechsel sollte trotzdem ca. alle 15 Jahre erfolgen.
Übrigens: Sojaöl-implantate und Hydrogelimplantate sind in Deutschland nicht zugelassen!
Die Implantate verfügen heute über eine aufgerauhte Oberfläche, die dafür sorgt, dass es nicht verrutscht. Die Kapselverhärtungen sind im Vergleich zu den glatten Hüllen von 20-25 Prozent auf 4-8 Prozent gefallen. Neuheiten wie titanbeschichtete oder PU-beschichtete Hüllen, die noch eine niedrigere Kapselverhärtungsrate versprechen, sind noch zu unerprobt, um darüber abschließend urteilen zu können. Ein verantwortungsvoller Arzt wartet daher noch ab!

Bei der Frage nach der Form der Implantate zeichnet sich derzeit ein Trend zum sogenannten „tropfenförmigen“ Implantat ab. Es soll aufgrund der Vor-formung eine natürlichere Brust ergeben. Hier jedoch warnt Dr. Stützle, Brustexperte und Mitglied der Deutschen Gesellschaft der plastischen, rekonstruktiven und ästhetischen Chirurgen (ehemals VDPC): „Die Imlpantathöhle muss exakt präpariert und das Implantat achsengerecht eingelegt werden, sonst besteht die Gefahr der Rotation in den ersten Wochen nach der OP.“

Ob die Implantate unter den Brustmuskel oder darüber eingelegt werden hat mit der Statur der jeweiligen Patientin zu tun. Generell rät Dr. Stützle dazu, das Implantat dann unter den Brustmuskel zu legen, wenn die Frau schlank ist oder sie ein größeres Volumen wünscht. Diese Lage liefert natürlichere Ergebnisse, der Implantatrand zeichnet sich nicht so stark ab. Allerdings ist die Implantatlage über dem Brustmuskel unmittelbar nach der OP weniger schmerzhaft. Operiert werden sollte möglichst narbenarm. Der etwa 4 cm lange Haut-schnitt erfolgt häufig in der Brustfalte, hier sind die OP-Wege am kürzesten und damit auch größere Implantate einsetzbar. Der Schnitt in der Achselhöhle ist auf Dauer eher nachteilig, so Dr. Stützle: „Keine suspekten Narben an den Brüsten, das klingt viel versprechend, aber leider werden die Narben in den Achselhöhlen durch natürlichen Bewegungen der Arme mit der Zeit breiter. Außerdem sollte der Achselschnitt wegen der längeren Op-Wege mittels Endoskop überwacht werden. Der Schnitt an der Brustwarze wäre hier eine Alternative, allerdings bringt er höhere Raten an Sensibiltätsstörungen durch direkte Nervenverletzung, bzw. Beeinträchtigung der Stillfähigkeit.



Dr. Stützle, Gräfelfing


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